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Linkszeitung vom 6.9.05Bündnis gegen Sozialabbau plant aktiven Herbst «Jede denkbare Regierung hat mit Anti-Hartz-Protesten zu rechnen» Von Peter Nowak Knapp ein Jahr ist es her, dass in zahlreichen Städten vor allem Ostdeutschlands Tausende Menschen gegen die Hartz-IV-Arbeitsmarktreform auf die Straße gegangen sind. Mit einem Aktionstag unter dem Motto "Hartzschluss" sollte am Montag daran angeknüpft werden. In insgesamt 57 Städten von Aachen bis Wolfsburg haben vor allem die Mitglieder von Erwerbslosengruppen und Gewerkschafter gegen Hartz IV und Billiglohn protestiert. Zu den Forderungen zählten die Rücknahme der Hartz-Gesetze, ein gesetzlicher Mindestlohn sowie die Senkung der Arbeitszeit auf 6 Stunden pro Tag. Es waren Aktionen auf niedrigem Niveau, so könnte ein erstes Fazit des Protesttages lauten. Meist ließ sich nur ein harte Kern mobilisieren - anders als im vergangenen Jahr, als in vielen ostdeutschen Städten Tausende auf die Straße gingen. Inzwischen scheinen viele Betroffene resigniert zu haben. In Berlin war schon am Vormittag der Sozialstaat in einem Sarg symbolisch zu Grabe getragen worden. Bis in den späten Nachmittag hinein informierte dann der Erwerbslosenausschuss der Gewerkschaft Verdi an zentralen Plätzen über Hartz IV und die Folgen. Die Teilnahme an der Montagsdemonstration am Abend blieb mit knapp 100 Menschen unter den Erwartungen der Organisatoren. Das Aktionsbündnis Sozialproteste, zu dem sich Sozialbündnisse und Erwerbslosengruppen bundesweit zusammen geschlossen haben, sieht die Aktionen als bewusste Intervention in den Wahlkampf. So wurden etwa Kandidaten der Hartz-IV-Parteien mit den Protesten konfrontiert. In mehreren Städten wurden die Wahlkreisbüros der Hartz-Befürworter unter den Abgeordneten symbolisch geschlossen. "Der Aktionstag sollte auch jeder denkbaren Regierungskoalition deutlich machen, dass sie mit Protesten zu rechnen hat, wenn sie die Politik des Sozialbaus fortsetzt", sagt Reiner Wahls vom Aktionsbündnis. Die Planungen für den Herbst sind schon angelaufen: Ende Oktober soll es neue bundesweite Protestaktionen geben. Für den 19. und 20 November ist an eine Strategiekonferenz gemeinsam mit dem DGB gedacht. Dabei soll es um konkrete Alternativpläne zur neoliberalen Wirtschaftspolitik gehen. Die Stichworte dafür liegen schon lange auf den Tisch: radikale Arbeitszeitverkürzung, Umwandlung von Zwangsbeschäftigungen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, 10 Euro Mindestlohn pro Stunde, das sind nur einige Bausteine dieses Programms von unten. Ob es dann auch wieder genügend Teilnehmer an Aktionen gibt, die für diese Forderungen auf die Straße gehen, wird sich erst zeigen, wenn Merkel und ihr kompetentes Team - in welcher Koalitionskonstellation auch immer - ihre Vorstellungen vom Wirtschaftsliberalismus umzusetzen beginnen. Manche hoffen, dass dann wieder die Massen auf der Straße sind und zwar nicht nur in Ostdeutschland. Dann wäre der Aktionstag am Montag nur eine kleine Vorübung gewesen. |