ND 03.06.05Erfolgreicher Einsatz für Toleranz
Netzwerk »Schule gegen Rassismus« feiert zehnjähriges Jubiläum
Von Peter Nowak
Jugendliche sind nicht an politischen Themen interessiert - so lautet ein
beliebtes Vorurteil in den Medien. »Schule ohne Rassismus - Schule mit
Courage« arbeitet seit zehn Jahren erfolgreich gegen dieses Klischee an. Das
in Belgien entwickelte Projekt wurde 1995 in Deutschland aufgegriffen. Zu
dieser Zeit sorgten rassistische Angriffe fast täglich für Schlagzeilen.
Zahlreiche Projekte, die damals in gut gemeinter Absicht entstanden sind,
gibt es heute nicht mehr. Doch »Schule gegen Rassismus« kann sich auch im
zehnten Jahr über fehlendes Interesse nicht beklagen.
237 Schulen mit ca. 200000 Schülern tragen heute den Titel »Schule gegen
Rassismus«. Die Tendenz ist weiterhin steigend. Seit 2001 wurde jährlich ca.
40 Schulen der Titel verliehen. Für Projektleiterin Sanem Kleff sind diese
Zahlen die beste Widerlegung der Mär von den desinteressierten Jugendlichen.
»Sie mischen sich mit hoher Motivation in das gesellschaftliche und
politische Geschehen ein, wenn sie für ihre Anliegen Unterstützung
erhalten«, betont Kleff. Eigeninitiative und Unterstützung werden in dem
Projekt großgeschrieben. Bevor einer Schule der Titel »Schule ohne Rassismus
- Schule mit Courage« verliehen wird, ist viel Vorarbeit nötig. Wichtig ist
dabei das persönliche Engagement. Zunächst müssen die Schüler in
Arbeitsgruppen das Projekt vorstellen und diskutieren. Dabei werden die
Schüler in den Arbeitsmaterialien angehalten, abweichende Meinungen nicht
auszugrenzen, sondern argumentativ zu widerlegen. Nachdem das Projekt
bekannt gemacht ist, müssen Unterschriften gesammelt werden. Erst wenn es
von mindestens 70 Prozent aller an der Schule tätigen Personen unterstützt
wird, hat die Titelverleihung eine Chance.
Mit diesem zeitaufwendigen Prozedere soll gewährleistet werden, dass die
Grundsätze des Projektes, die Ächtung aller Formen von Rassismus,
Antisemitismus und Rechtsextremismus, in der Schule breite Unterstützung
haben. Bisher musste noch keiner ausgezeichneten Schule der Titel wieder
aberkannt werden, betonen die Projektkoordinatoren.
Vom 3. bis 5. Juni werden sich in Saarbrücken auf dem Gelände des ehemaligen
Gestapo-Lagers Neue Bremm Aktive aus allen ausgezeichneten Schulen treffen
und ihre Projekte vorstellen. Die Palette reicht von Informationen über
erfolgreiche Arbeit gegen die NPD am Beispiel der norddeutschen Stadt
Verden, über die Vorstellung der in Chemnitz und Bremen entwickelten
Initiative »Stadt ohne Rassismus« bis zu Theater- und Musikworkshops. Der
Ort des Treffens ist nicht zufällig gewählt. Das ehemalige KZ-Gelände wurde
erst auf Initiative von Schülern zur Gedenkstätte erklärt.
Infos unter:
www.sor-berlin.de

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