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ND 22.04.05Die Rache der Abgelehnten Ein Berliner Projekt hilft erfolglosen und genervten Stellen-Bewerbern - beim Absagen Von Peter Nowak Stellenbewerber müssen sich in diesen Zeiten häufig mit Absagen zufrieden geben. Nun dreht eine Initiative den Spieß einfach um. »Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass ein anderer Kandidat für die ausgeschriebene Stelle ausgewählt wurde.« Für viele bedeuten solche Sätze eine herbe Enttäuschung. Wieder einmal ist eine Bewerbung negativ beschieden worden. Die meisten Empfänger solcher Absagen stecken diese resigniert zu den Akten. Nur wenige äußern Widerspruch - wie folgender Bewerber, den sein Zorn zu folgenden Zeilen animierte: »Vielen Dank für Ihr freundliches Schreiben. Leider ist meine Kapazität für Absagen jedoch mittlerweile komplett erschöpft. Bitte verstehen Sie, dass ich Ihre Absage deshalb zu meinem größten Bedauern ablehnen muss und meinen neuen Job bei Ihnen am Montag antreten werde!« Noch weniger Betroffene drehen den Spieß einfach um und schicken ihrerseits Absagen. »Nach sorgfältiger Prüfung ihres Angebots muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich die angebotene Stelle nicht antreten werde. Ich versichere Ihnen, dass meine Entscheidung keine Abwertung Ihrer Person oder des Firmennamens ist, sondern ausschließlich auf meine Auswahlkriterien zurückzuführen ist.« Kulturprojekt, politische Aktion, Dienstleister Diese und ähnliche Schriftwechsel finden sich an der Wand eines kleinen Büros in Berlin-Kreuzberg. Dort hat Deutschlands erste Absage-Agentur ihr Domizil - eine Mischung aus temporärem Kulturprojekt, Dienstleister und politischer Aktion. Darauf wird auch bei der Außenwerbung geachtet: Wer die Startseite der Internetpräsentation der Absage-Agentur anklickt, könnte denken, er sei auf der Homepage der Agentur für Arbeit gelandet. Nicht nur das Logo sieht der Nürnberger Konkurrenz täuschend ähnlich. Auch die Slogans klingen bekannt. »Effizienter Service, professionelle Betreuung, individuelle Lösungen«. Erst bei genauerer Prüfung merkt man, dass es sich hier um die »Rache der Abgelehnten« handelt, die nun ihrerseits Absagen verschicken können. Damit die Adressaten nicht ausgehen, sind die neuesten Stellenangebote bei führenden Tages- und Wochenzeitungen über die Absage-Agentur zu erhalten. Außerdem beraten Mitarbeiter Interessierte in Absage-Fragen: Wer ein Stellenangebote nur für Männer entdeckt, kann sich so unter Umständen auf das Antidiskriminierungsgesetz beziehen. Die Agentur-Initiatoren wollen auch eine politische Aussage vermitteln. »Schließlich ist es schon ein Politikum, dass in Zeiten, wo es nur noch um die effektive Jobsuche geht, plötzlich Angebote abgelehnt werden«, sagt eine Mitarbeiterin. Unternehmen haben noch nicht reagiert Für die Details ist das Rahmenprogramm zuständig. So werden in der Absage-Agentur wöchentlich Filmabende und Diskussionen organisiert, die sich mit der Bedeutung von Lohnarbeit in der heutigen Gesellschaft befassen. Das Projekt wurde überwiegend positiv aufgenommen, wie die Kommentare im Online-Gästebuch zeigen. Auch Langzeitarbeitslose mit Bewerbungserfahrung haben sich erfreut gemeldet. Reaktionen von Unternehmen, die Absagen für ihre Stellenangebote bekommen haben, sind jedoch bisher nicht bekannt. www.absageagentur.de |