Taz vom 29.11.05Wenn Punks sich streiten
Die anarchistische Pogopartei (APPD) hat sich im Streit um Ausrichtung und
Posten gespalten. Neuerdings buhlt auch die "Pogo-Partei" um die Stimmen der
Asozialen, Nichtwähler und Biertrinker
VON PETER NOWAK
Bekanntlich wird in der Politik im Kampf um Macht und Einfluss mit harten
Bandagen gekämpft. Da wollten in den vergangenen Wochen auch die erklärten
AntipolitikerInnen der Anarchistischen Pogo-Partei (APPD) nicht versäumen,
die alte SpießerInnenweisheit zu bestätigen, dass Politik ein schmutziges
Geschäft ist. Wie es sich bei einem ordentlichen Streit unter PolitikerInnen
gehört, werden natürlich auch gleich die Gerichte bemüht. Per einstweiliger
Verfügung wurde der APPD-Veteran Karl Nagel Anfang November aufgefordert,
die APPD-Seite (
www.appd.de) vom Netz zu nehmen. Nagel hatte für die
Betreuung der Internetseite die Einnahmen aus dem florierenden
Punk-Devotionalienhandel eingestrichen. Selbst die Partei "der Nichtwähler,
des Pöbels und der Sozialschmarotzer", so die Selbstdarstellung der APPD,
ist also vor dem schnöden Kampf Geld und Macht nicht gefeit.
Nur in einem unterscheiden sich die Punk-PolitikerInnen im innerparteilichen
Mobbing von den KonkurrentInnen. Im Pogostreit erspart man sich jegliche
diplomatischen Floskeln für den Parteifeind. In den letzten Wochen ging es
auf den verschiedenen Internetforen richtig zur Sache. Vor allem der
ehemalige APPD-Bundesvorsitzende und Nagel-Rivale Christo Großmann musste
sich dort Verbalinjurien anhören, die bei den anderen Parteien gleich
dutzende von AnwältInnen beschäftigt hätten.
Doch die Zeiten des heißen Pogokrieges scheinen vorbei. Seit einigen Tagen
herrscht ein kalter Friede zwischen der neuen APPD, in der sich der
Großmann-Flügel zusammengefunden hat, und der neu gegründeten Pogo-Partei
von Nagel and friends.
Wohin mit den T-Shirts?
Dort hat man nun ein Problem: Wohin mit den vielen T-Shirts mit dem
APPD-Schriftzug? Man darf auch gespannt sein, wer in den künftigen
Wahlkämpfen das bekannte APPD-Logo "Arbeit ist Scheiße" verwenden darf?
Werden da wieder die Gerichte entscheiden?
Ansonsten will die Pogopartei künftig für die "ultimative und totale
Rückverdummung der Menschheit", "das Recht auf Arbeitslosigkeit" und die
"Einrichtung für Mitfickzentralen" kämpfen. Bei der neuen APPD gibt man sich
etwas bürgernäher. Doch träumt man von einem ernsten Wahlkampf, um die
5-Prozent-Hürde zu schaffen, um dann im Parlament "Arbeit ist
Scheiße"-Plakate verteilen zu können und "besoffen und mit einer Flasche
Strothmann bewaffnet, eine Rede über Agrarpolitik (zu) halten". Zunächst
aber muss die APPD erst wieder einen neuen Berliner Landesverband aufbauen.
Der alte hatte sich im Streit aufgelöst, die Mehrheit ist zur
pogofundamentalistischen Konkurrenz übergelaufen.
Weil es bei den Auseinandersetzungen unter den PunkpolitikerInnen mehr um
Posten als um Politik ging, spielte auch nur am Rande eine Rolle, dass in
der neuen Pogopartei auch Personen aktiv sind, für die eine Abgrenzung nach
rechts politisch zu korrekt und damit verpönt ist. So betätigte sich der
enge Nagel-Mitstreiter Erik Vogel als regelmäßiger Autor der mittlerweile
abgeschalteten Internetseite
www.querfront.de, auf der Neonazis mit Linken
ins Gespräch kommen wollten. Von der APPD kam zu diesem
Links-rechts-Crossover nur die windelweiche Erklärung, diese Kontakte ins
rechte Lager hätten den Anspruch der APPD auf eine unpolitische Haltung
"jenseits von rechts und links" torpediert.

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