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ND 06.05.05Später Blick zurück Von Peter Nowak Auch 60 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus sind die braunen Verstrickungen in vielen Teilen der Gesellschaft noch längst nicht erforscht. Gerade der Wissenschaftsbereich erwies sich als ausgesprochen resistent gegen die Aufarbeitung eigener Vergangenheit. Lange nach Politik und Wirtschaft legte in diesem Jahr als erste wissenschaftliche Großinstitution die in Berlin-Dahlem beheimatete Max-Planck-Gesellschaft (MPG) eine Untersuchung über ihre Rolle im NS-System vor. Damals hieß das Institut Kaiser Wilhelm Gesellschaft(KWG). Bereits 1991 bekannte sich MPG zur historischen Verantwortung. Die MPG bat damals die wenigen Überlebenden der Zwillingsversuche von Auschwitz, an der Wissenschaftler der KWG beteiligt waren, ausdrücklich um Verzeihung. Doch es dauerte noch einmal sieben Jahre bis der damalige MPG-Präsident Hubert Markl eine unabhängige Kommission unter dem Vorsitz der Zeithistoriker Reinhard Rürup und Wolfgang Schieder mit der Geschichtsaufarbeitung beauftragte. Die brauchten noch einmal mehr als sechs Jahre, um jetzt ein Ergebnis zu präsentieren. Die relativ lange Forschungsdauer war auch der Tatsache geschuldet, dass viele Dokumente gar nicht mehr oder schwer auffindbar waren. Wer spektakuläre neue Erkenntnisse von der Aufarbeitung erwartet hatte, muss enttäuscht werden. Schließlich war auch ohne systematische Untersuchung schon hinreichend bekannt, wie eng deutsche Spitzenforscher in das NS-System integriert waren. Die Forschungsergebnisse bestätigen hier nur noch einmal dokumentarisch, dass Forscher der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zwischen 1933 und 1945 Kampfgase entwickelten, Menschenversuche duldeten und auf Zwangsarbeiter zurück griffen. »Sie haben Enteignung, Plünderung, Menschenversuche oder Morde in ihren Bereichen mit vorangetrieben,« beschrieb Projektleiterin Susanne Heim bei der Präsentation des Abschlussberichts die Rolle der Wissenschaftler der KWG. Heim machte auch deutlich, dass von einem Druck des NS-Regimes auf die Wissenschaftler in der Regel nicht die Rede sein kann. »Die Aufwertung der Rassenforschung durch das NS-Regime habe manche Wissenschaftler geradezu beflügelt, erläuterte Susanne Heim. Ohne Zwang arbeiteten die Forscher mit ihren Versuchen den Machthabern in die Hände«. Auch die Vertreibung der jüdischen Wissenschaftler geschah ohne den nach 1945 angeführten Druck der NSDAP. |