Blick nach  Rechts 19/2005Martin Hohmann redet Klartext.
Der wegen einer als antisemitisch bewerteten Rede aus der CDU
ausgeschlossene Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann sorgt wieder für
Pressewirbel, weil der parteilose Direktkandidat in Fulda bei einem knappen
Wahlausgang zum Zünglein an der Waage werden könnte. Der rechtslastige
Politiker hat in seiner Begründung für die Kandidatur Klartext geredet: "Wir
müssen uns als Schicksalsgemeinschaft verstehen, als deutsches Volk eben.
Wir werden erkennen müssen, dass Verzicht und Opferbereitschaft wertvolle
Tugenden sind". Außerdem sprach er sich gegen die multikulturelle
Gesellschaft, den EU-Vertrag und die Mitgliedschaft der Türkei in der EU
aus. In einer Presseerklärung Hohmanns im Vorfeld des Papstbesuches.heißt
es: "Es ist nicht der Papst, der die Homosexuellen beleidigt, wenn er
gleichgeschlechtliche Ehen 'Pseudo-Ehen' nennt; es sind organisierte
Homosexuelle, die mit dem Irrsinn der 'Homo-Ehe' die Schöpfungsordnung
beleidigen, die man auch als biologische Vernunft bezeichnen kann".
In extrem rechten Kreisen wird die Kandidatur Hohmanns begrüßt. Die "Junge
Freiheit" bewirbt ein Buch mit dem Titel "Warum Hohmann geht und Friedman
bleibt". Im JF-Jargon wird der Antisemitismusvorwurf als Keule zur
Vernichtung unliebsamer Meinungen dargestellt. Auch die "National-Zeitung"
aus dem Hause Frey bezieht sich positiv auf ein Faltblatt von Hohmann, aus
dem unter der Überschrift "Was Hohmann über Merkel auspackt" zitiert wurde.
Danach sieht sich Hohmann vom Zentralrat der Juden und der Springer-Presse
zu Fall gebracht. Währenddessen ist in Fulda die Gruppe "Jugend für Hohmann"
ins Gerede gekommen. Aus Fuldaer CDU-Kreisen heißt es, die
Hohmann-Unterstützer seien für den Druck und das Kleben von Rudolf
Heß-Bildern verantwortlich. In der Nacht zum 20. August waren rund 300
Konterfeis des Hitler-Stellvertreters im Fuldaer Raum über Wahlplakate
geklebt worden, Plakate von Hohmann blieben davon verschont.
Peter Nowak

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