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ND 04.03.05Protest soll nicht umsonst sein Von Peter Nowak Das hat es am Berliner Amtsgericht lange nicht mehr gegeben. Gerade sollte das Verfahren gegen den Berliner Politaktivisten Markus Mohr eröffnet werden, als zahlreiche Menschen in den Gerichtssaal drängten und Parolen riefen: »Wir sind alle angeklagt.« Darauf wurde der Gerichtssaal geräumt, die Zuschauer aus dem Justizgebäude geworfen - und der Angeklagte. Mohr hatte Anfang Juli 2002 mit über 200 Menschen gegen die Erhöhung der Eintrittspreise für das Prinzenbad im Berliner Stadtteil Kreuzberg protestiert, bei der einige Aktivisten, ohne Eintritt zu bezahlen, die Sperren zu überwinden versuchten. Polizei und Wachdienst schritten äußerst rüde ein. Mohr, der selbst verletzt wurde, wird nun, weil er ein Megafon besitzt, als einer der Initiatoren verdächtigt. Dabei gibt es bei den Umsonst-Aktionen weder Anmelder noch Verantwortliche. Die Kampagne, sagt ein Aktivist, soll Menschen ansprechen, »die bisher keine Berührungspunkte mit linker Politik hatten«. Ähnliche Aktionen gibt es mittlerweile auch in anderen Städten, etwa in Freiburg, Hamburg und Dresden. Und auch dort klagt man über staatliche Repression. In der sächsischen Hauptstadt nahmen Polizeibeamte im Januar 2004 eine Umsonst-Aktion vor einem Schwimmbad zum Anlass, eine Wohnung zu stürmen und die Bewohner gefesselt in die Polizeiwache zu transportieren. Ein Gericht erklärte den Einsatz später für rechtswidrig. In Berlin bekamen Ende Februar rund 20 Personen Besuch vom Landeskriminalamt. Die brachten eine Vorladung mit - Vorwurf: Die Protestierer sollen im vergangenen Oktober die Berliner Landeszentrale der Arbeiterwohlfahrt besetzt haben. Die Organisation war zuvor wegen ihrer Zustimmung zu den Ein-Euro-Jobs ins Visier der Hartz-Kritiker geraten. Für die Aktion zeichneten »Die Überflüssigen« verantwortlich, die mit ihren roten Kapuzenpullis und weißen Gesichtsmasken in der letzten Zeit auch in Großkinos und dem Berliner Nobelrestaurant Borchardt aufgetaucht sind. Sie meldeten eine Bedarfsgemeinschaft mit den Gästen an und verwickelten diese gleichzeitig in eine Diskussion über soziale Ungleichheit. Nach kurzer Zeit beendete die Polizei das Happening. »Die Überflüssigen« und andere Gruppen wollen sich allerdings nicht einschüchtern lassen. Weitere Aktionen sollen spätestens Ende April folgen - unter dem Titel »Maisteine« im Rahmen einer Berliner Aktionswoche gegen soziale Ausgrenzung.
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