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Linkszeitung28.10.05Erinnerungen an die "bleierne Zeit" werden wach Angriffe gegen «Gefangeneninfo» sollen die Linkspartei treffen Von Peter Nowak Das "Gefangeneninfo" hat nur eine Auflage von 500 Exemplaren im Monat, sorgt aber immer wieder für Schlagzeilen in anderen Medien. Unter dem Namen "Angehörigeninfo" wurde es 1989 gegründet. Seitdem gab exakt 30 Verfahren gegen die Publikation. "Bis auf eines haben wir alle gewonnen", erinnert sich Christiane Schneider. Die Geschäftsführerin des Hamburger GNN-Verlags, der unter anderen Publikationen auch das "Gefangeneninfo" herausgibt, will jetzt selber Anzeige erstatten und zwar gegen den Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Heino Vahldieck. Der oberste Verfassungshüter in der Hansestadt hatte kürzlich behauptet, in dem "Gefangeneninfo" würde "jegliche Art von politisch motivierter Aktion auch von gewalttätigen terroristischen Aktionen" gerechtfertigt, und man identifiziere sich mit den Tätern. Daher sei die Publikation für die Demokratie gefährlich. Diese Stellungnahme hat große Aufmerksamkeit erregt, weil Christiane Schneider auch Sprecherin der Linkspartei in Hamburg ist. Da wollte man der Partei gleich wieder einen Extremismusvorwurf anhängen. Schneider wehrt sich dagegen: "Unser Anliegen ist, daß Menschen, die so lange hinter Gefängnismauern verschwinden, die Möglichkeit haben, ihre Meinung öffentlich zu äußern". Im Gefangeneninfo kommen Gefängnisinsassen sowie von politischen Verfahren Betroffene selbst zu Wort. Daher ist die Publikation bestimmt nicht neutral. Schneider betont auch, dass die Artikel nicht unbedingt die Meinung des GNN-Verlages vertreten. Aber Verfassungsfeindliches mag sie dabei nicht zu erkennen. Unterstützung bekommt die Verlags-Geschäftsführerin vom neuen Hamburger Bundestagsabgeordneten der Linkspartei, Norman Paech. Das Gefangeneninfo sei eine "zwar meinungsradikale Publikation, die aber in einem demokratischem Medienangebot möglich sein muss", meint der Hamburger Rechtsprofessor. Für Wolfgang Lettow ist die Reaktion des Verfassungsschutzes nicht verwunderlich. Der langjährige Mitarbeiter der Publikation erinnert an die "bleiernen Zeiten" in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren: "Da galt jeder, der sich für humanitäre Haftbedingungen von politischen Gefangenen einsetzte, mindestens als Sympathisant der Terroristen." Davon waren auch die Angehörigen der Gefangenen betroffen. Die Eltern und Geschwister von politischen Gefangenen hatten daher die Publikation 1989 ins Leben gerufen und wollten damit Medienöffentlichkeit für die Situation in den Gefängnissen herstellen. Die geringe Auflage zeigt, dass es ihnen nicht wirklich geglückt ist. Aber für Schlagzeilen sorgt das Blatt immer noch, wie vor mehr als 15 Jahren. Erst im vergangenen Jahr hat sich die Publikation den Namen "Gefangeneninfo" gegeben, weil von den ursprünglichen Gründern, den Angehörigen der politischen Gefangenen, kaum noch jemand dabei ist. Nur Wolfgang Lettow gehört noch zu den Veteranen. Er sieht seine Aufgabe als Brückenfunktion. Es geht darum, der jüngeren Generation zu vermitteln, was nicht in den Geschichtsbüchern steht. Dafür ist Lettow nun selbst in einem Buch verewigt. Der Schriftsteller Christian Geissler bedachte ihn mit einer Rolle in seinen Roman "Kamalatta". Dort heißt die Figur "der Mönch". |