TAZ vom 1.8.05 Fahrgemeinschaft gesucht
Sozialinitiativen protestierten gegen die Fahrpreiserhöhungen von BVG und
S-Bahn und werben für ihr eigenes Konzept eines billigen Nahverkehrs. Die
Reaktionen sind geteilt
Fahrten mit der BVG und der S-Bahn könnten so gemütlich sein - das ist der
erste Eindruck, den die lustig bedruckten Luftballons vermitteln. Aktivisten
der Kampagne "Für ein Recht auf Mobilität" verteilen an diesem Samstagmittag
am S-Bahnhof Warschauer Straße die Souvenirs, auf denen ein großer Bär einen
kleineren auf dem Rücken trägt. Sie protestieren damit gegen die jüngsten
Preiserhöhungen bei den Nahverkehrsbetrieben - und werben gleichzeitig für
ihr eigenes Konzept eines preiswerten öffentlichen Transports.
Denn unter den beiden Bären steht der Schriftzug "Ich nehm' Dich mit!" - und
das Ballonmotiv gibt es auch als Button. Wer einen solchen Button trägt,
signalisiert den anderen Fahrgästen, dass er im Besitz einer Umweltkarte der
BVG ist und noch MitfahrerInnen sucht. Laut dem Kleingedruckten auf dem
Ticket ist es möglich, dass auf jeder Umweltkarte wochentags ab 20 Uhr, an
Wochenenden und Feiertagen sogar ganztägig neben dem Besitzer ein
Erwachsener und drei Kinder kostenlos mitfahren können.
Bisher sind laut Angaben der Initiative mehr als 1.500 Buttons mit dem
Slogan in Berlin im Umlauf. Doch das Zielpublikum ist ungleich größer. Dass
viele von den hervorragenden Eigenschaften ihrer Umweltkarten gar nichts
wissen, zeigte sich am Samstag wieder an den Reaktionen vieler Fahrgäste.
Die Kritik der Initiative an den Fahrpreiserhöhungen fand nicht ungeteilte
Zustimmung. "Viele haben sich mit den alljährlichen Preiserhöhungen schon
abgefunden und denken, dass man dagegen nichts machen kann", meint ein
Aktivist. Tatsächlich lehnen manche Fahrgäste an den Bahnhöfen Buttons und
Infomaterial ab. Es gibt also noch genug zu tun für die AktivistInnen.
Die Kampagne "Für ein Recht auf Mobilität" versteht sich als soziale
Initiative, die sich für mehr Mobilitätsgerechtigkeit einsetzt. "Mobilität
ist eine öffentliche Sache, die nicht der Profitlogik des Marktes überlassen
werden darf", lautet das Credo der Initiative, die von Berliner Sozialforum,
Attac Berlin und der antikapitalistischen Aktion (akab) getragen wird.
Peter Nowak

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