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ND vom 6.5.05Besuch bei den Kollegen Von Peter Nowak »Wir wollen uns hier kurz einmischen, da wir arbeitslos sind oder es jederzeit werden könnten.« So stellt sich eine Gruppe von 10 bis 15 Berliner Erwerbslosen in Einrichtungen vor, die Ein-Euro-Jobber beschäftigen. Alle zwei Wochen macht sich der Trupp auf die Suche nach den Ein-Euro-Jobbern. Als typisch linke Suche nach einem neuen revolutionären Subjekt wollen die Initiatoren der Ein-Euro-Job-Spaziergänge ihre Aktionen allerdings nicht verstanden wissen. Die Idee sei gerade aus der Kritik an Aktionen entstanden, bei denen politisch Organisierte etwas für Betroffene machen wollte - die Linken dabei aber meist unter sich und Betroffene in der Minderheit blieben. Dieser Fehler soll bei den Ein-Euro-Job-Spaziergängen nicht wiederholt werden. »Die Linke muss die Betroffenen nicht über ihre Lage aufklären. Aber die könnten viel über ihre Situation im Betrieb, über das Klima unter den Kollegen und auch über widerständiges Handeln erzählen«, sagt Dirk, einer der Berliner Ein-Euro-Job-Spaziergänger. »Wir stoßen fast immer auf Offenheit und Interesse.« Die Vorgesetzen hingegen sehen unangemeldete Besuche dieser Art nicht so gern. Doch »die meisten Jobber ignorieren ihren Chef einfach und reden mit uns über ihre Situation«, erzählt Dirk. »Weil sie weniger zu verlieren haben. Meist sind die Leute nicht freiwillig dort, sondern werden mit der Drohung des Geldentzuges auf diese Jobs verwiesen.« Auch eine Eingliederung ins Berufsleben versprechen sich die Wenigsten. Nur einmal musste eine Aktion abgebrochen werden, weil mit der Polizei gedroht wurde. Auch in anderen Städten gibt es inzwischen Ein-Euro-Job-Spaziergänge. Die Idee solcher politischer Besuche ist nicht neu: Schon die italienischen Operaisten der 60er Jahre versuchten durch »militante Untersuchungen« mehr über die realen Arbeitsverhältnisse der Menschen - und im Austausch mit diesen auch über sich selbst herauszufinden. eineurojob@gmx.net |