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Blick nach Rechts 4/2005 DVU und NPD Eine Studie nimmt die DVU und deren Verhältnis zur NPD unter die Lupe. In der aktuellen Debatte über rechtsextreme Parteien geht es fast nur um die NPD. Die Deutsche Volksunion wird meist nur am Rande erwähnt, weil sie ein Wahlbündnis mit der NPD eingegangen ist. Oft wird auch suggeriert, die DVU sei im Grunde gemäßigter als die NPD. Doch wer sich regelmäßiger die "National-Zeitung" (NZ), das inoffizielle Sprachrohr der DVU ansieht, muss diese Meinung revidieren. Subtiler Rassismus, Antisemitismus und Verharmlosung von NS-Verbrechen prägen den Stil dieser Wochenzeitung. Der Begriff "Bomben-Holocaust", der vor wenigen Wochen aus dem Munde von NPD-Parlamentariern in Sachsen für große Empörung sorgte, wird in der NZ ständig sogar in den Überschriften verwendet. Nicht im bewusst vage gehaltenen Parteiprogramm der DVU, sondern in der wöchentlich erscheinenden "National-Zeitung werde" das rechtsextremistische Gedankengut verbreitet, das weit über den Kreis der Partei wirkt. Darauf weist auch eine Studie hin, die kürzlich von der SPD Brandenburg herausgegeben wurde. Schließlich ist der DVU in diesem Bundesland zum zweiten Mal hintereinander der Einzug in den Landtag gelungen. Nur in Bremen ist die DVU ansonsten noch parlamentarisch vertreten. Als Arbeitsschwerpunkte ihrer Landtagsarbeit werden in der Studie Antisemitismus, Rassismus, Antiamerikanismus und Revisionismus genannt. "Charakteristisch für die DVU ist die unterentwickelte Organisationsstruktur und weitgehende Inaktivität ihrer Mitglieder", heißt es in der Studie wörtlich. Bei der DVU handele es sich weitgehend um eine virtuelle Partei, die von dem Parteivorsitzenden Gerhard Frey autokratisch gelenkt werde. In den Landesverbänden agieren hauptsächlich politische Nobodys, die bisher weder durch politische noch durch publizistische Arbeit in Erscheinung getreten sind. Was die DVU von der NPD unterscheidet, ist so auch weniger die Programmatik als die Parteistruktur. Gute Kontakte bestehen seitens der DVU zum russischen Rechtsextemisten Wladimir Schirinowskij und dessen Liberaldemokratischer Partei. Schon 1992 war Schirinowskij Gast bei einer DVU-Veranstaltung in Passau. Der Kontakt hält an. Im Februar 2004 nahmen zwei DVU-Landtagsabgeordnete auf Einladung Schirinowskijs in Moskau an einem internationalen Treffen rechter Parteien teil. In einem eigenen Kapitel widmet sich die Studie dem wechselvollen Verhältnis zwischen NPD und DVU. "Sie küssten und sie schlugen sich", lautetdas Fazit. Frey war schon NPD-Mitglied und strebte Posten in der Partei an. Phasen der Annäherung folgten immer wieder harsche Abgrenzungen. 1991 war der letzte Versuch einer Wahlabsprache gescheitert. Danach dominierte politische Eiszeit zwischen dem Führungspersonal von NPD und DVU. Die erneute Annäherung wurde auf kommunaler Ebene vorbereitet. So traten in Dresden Mitglieder von NPD, DVU und anderen rechten Kleingruppen zusammen an. Später wurde vom Dresdner Modell mit bundesweiter Signalwirkung gesprochen. Über die Stabilität der "Volksfront von Rechts" äußert sich die Studie skeptisch. Es gäbe auch an der Basis beider Parteien starke Vorbehalte gegen die jeweils andere Seite. Außerdem sind in der DVU Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Organisationen und namentlich genannte Personen aus dem Spektrum der Freien Kameradschaften offiziell immer noch in Kraft. Noch im Jahr 2002 gab es Ausschlussverfahren gegen DVU-Kreisverbände aus Niedersachsen, die sich an einer NPD-Demonstration gegen die Wehrmachtsausstellung in Bielefeld beteiligt hatten, wobei auch das Spektrum der Freien Kameradschaften anwesend war. Genau dieses Spektrum wird aber auch von der NPD teilweise mit Erfolg umworben. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine längerfristige Zusammenarbeit der DVU schaden und der NPD nutzen wird. "Frey muss damit rechnen, dass sich dann seine lose mit ihm verbundenen Anhängerschaft von der virtuellen DVU ab- und der kampferprobten NPD, dem Original zuwenden kann". Zur Zeit läuft die Zusammenarbeit allerdings noch gut. Nachdem die DVU-Fraktion beim Neujahrsempfang in Dresden anwesend war, besuchten NPD-Abgeordnete Ende Januar die DVU-Fraktion in Potsdam. Peter Nowak |