|
ND 28.01.05Teures Internet Berliner AStA wegen Web-Link verurteilt Von Peter Nowak Weil er seine politische Neutralität verletzt habe, wurde der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) der Freien Universität (FU) Berlin von einem Verwaltungsgericht verurteilt. 15000 Euro Ordnungsgeld soll der AStA der FU zahlen, weil er nach Meinung des Berliner Verwaltungsgerichts ein ihm nicht zustehendes politisches Mandat wahrgenommen haben soll. Moniert wurde unter anderem ein Link auf der AStA-Homepage, der zu einer Internetseite mit Protesten gegen die Agenda 2010 führte. Dabei hieß es auf der AStA-Homepage ausdrücklich, man mache sich die Inhalte der verlinkten Seite nicht zu Eigen. Das Gericht sah die politische Neutralität schon verletzt, weil durch den Link Zugriffe auf den Demoaufruf gegen die Agenda 2010 möglich gewesen sind. Damit geben sie den Klägern aus dem konservativen Studentenmilieu Recht. Die konnten nach dem Urteil auf ihrer Homepage wieder mal einen großen Sieg vermelden. Schließlich ist es seit Jahren eine gezielte Politik konservativer und rechter Kommilitonen, linke Studentenvertretungen mit Klagen zu überziehen und so politisch lahm zu legen. »Dabei hatten wir gehofft, diese Knebelung gehöre der Vergangenheit an«, meinte der hochschulpolitische Referent des FU-AStA, Ralf Hoffrogge, gegenüber ND. Schließlich hatte das Berliner Abgeordnetenhaus vor zwei Jahren in einer Gesetzesnovelle die gesellschaftlichen und politischen Rechte der Studentenvertretungen gestärkt. »Der Richter hat in seiner Urteilsbegründung die veränderte Gesetzeslage jedoch völlig ignoriert«, wundert sich Hoffrogge. Ob der AStA weitere juristische Schritte gegen das Urteil einlegen wird, wird zur Zeit noch in den Gremien beraten. Auf jeden Fall wolle man wieder ein Bündnis gegen solche Maulkorb-Erlasse initiieren, kündigt Hoffrogge an. Ein solches breites Bündnis, an dem sich viele Studierendenvertretungen beteiligten, gab es bereits vor einigen Jahren. Doch der jahrelange Kleinkrieg mit den rechten Kommilitonen hat viele Studentenvertretungen zermürbt. So hat der ReferentInnenrat der Berliner Humboldt-Universität unter Druck von Strafandrohungen einen Vergleich geschlossen. In der von der Studentenvertretung herausgegebenen Zeitung »Huch« darf jetzt auch die studentische Opposition mitarbeiten. |