Bald freies Radio in Berlin?
Von Peter Nowak
Wird es im Berliner Äther bald eine Frequenz geben, über die ein freies,
nichtkommerzielles Radio senden kann? Die Berliner Radiokampagne zumindest
setzt sich seit Jahren mit guten Argumenten und professioneller Lobbypolitik
dafür ein. Kürzlich lud sie gemeinsam mit der Heinrich Böll Stiftung zu
einem Hearing unter dem provokativen Titel: »Berlin-Metropole oder
kommunikative Provinz?«
Ermutigung bekamen die Berliner Radiomacher von Freunden aus der
»kommunikativen Provinz«. »Auch bei uns dauerte es lange, bis wir auf
Sendung gehen konnten«, meinte Thomas Kupfer vom Radio Corax aus Halle. Auch
Sven Thiermann vom Bundesverband Freier Radios sagte, es sei Zeit, dass
Berlin sich dem bundesweiten Trend anpasse. In seinem Verband haben sich
mehr als 40 Radioprojekte aus allen Bundesländern zusammen geschlossen.
Anschließend stellten sich verschiedene Berliner Radioinitiativen vor, die
teilweise mangels eigener Frequenz ins Internet ausgewichen sind.
Doch die Vertreter aus der Politik und vom Medienrat schienen unbeeindruckt.
Der Vorsitzende des Medienrats Berlin-Brandenburg Ernst Benda empfahl der
Medienkampagne, mit dem in Berlin existierenden Offenen Kanal zu
kooperieren. Außerdem könne sie sich natürlich um eine freie Frequenz
bewerben, müssen sich dann allerdings den Wettbewerb mit den übrigen
Interessenten stellen. »Da haben wir natürlich als nichtkommerzielles
Konzept keine Chance«, so die Einschätzung einer Vertreterin der
Radiokampagne.
Der medienpolitische Sprecher der Berliner CDU, Michael Braun, wich einer
klaren Positionierung zu einem freien Radio in Berlin aus. Er wisse auch
nach dieser Veranstaltung noch nicht, was das Besondere eines freien Radios
ist. Von der Berliner SPD/PDS-Koalition war niemand eingeladen. Dabei hatten
die in ihren Koalitionsvertrag festgehalten, dass die »Förderung eines
nichtkommerziellen Lokalfunks wünschenswert« ist. Allerdings ist von einer
entsprechenden Gesetzesinitiative noch nichts bekannt.
Eine Radioinitiative will nicht mehr länger warten. In einer Presseerklärung
kündigte das PiratInnenradio »funk-the-system« an, nunmehr jeden Freitag ab
18 Uhr die UKW-Frequenz 95,2 Megahertz zu besetzen. Neben guter Musik sollen
auch Meinungen und Positionen marginalisierter Gruppen und Bevölkerungsteile
gesendet werden.

www.funk-the-system.net

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