|
ND 27.08.04Hummersuppe bei McKinsey Protest gegen Feier der Wirtschaftsberatung
Von Peter Nowak Mit einer großen Party in Berlin feiert die Unternehmensberatung McKinsey am Wochenende das 40-jährige Bestehen ihrer Deutschland-Niederlassung. Proteste sind angekündigt. Auf einer Veranstaltungsreihe in historischen Gebäuden und Museen entlang des Boulevards Unter den Linden erwartet die Unternehmensberatung McKinsey am heutigen Freitag mehr als 4000 Gäste aus aller Welt. Höhepunkt und Abschluss der pompösen Feiern soll eine Disco im Palast der Republik sein. »Das Fest ist ein Geschenk unserer Firma an die Stadt Berlin«, meint Kirsten Werbunat von der Berliner McKinsey-Filiale. Die Sprecherin vergisst nicht hinzuzufügen, ihr Unternehmen, das mit 1800 Mitarbeitern zu den Marktführern auf dem Gebiet der strategischen Unternehmensberatung in Deutschland zählt, habe Berliner Unternehmen kostenlos beraten. Werbunat betont auch, dass die Planung der Feier offen und transparent gewesen sei. Das sieht ein unter anderem aus Anti-Hartz-Initiativen und Attac bestehendes Bündnis anders. Unter dem Motto »McKinsey in die Hummersuppe spucken« plant es am Freitag in Seh- und Hörweite der Feierlichkeiten verschiedene Protestaktionen. Das Bündnis fordert eine Offenlegung der Konditionen, unter denen McKinsey die Museen angemietet hat. Bisher wurden Fragen nach den Kosten der Feier abgebügelt. Die Kritiker sehen das Unternehmen McKinsey als wichtigen Bestandteil des neoliberalen Think Tanks, der seit Jahrzehnten weltweit Konzerne und Regierungen im Sinne der marktradikalen Wirtschaftsdoktrin berät. Massenentlassungen von Arbeitern seien ebenso Folge dieser Beratungen wie radikale Kürzungen im sozialen Bereich. So habe McKinsey wesentlichen Anteil an der neoliberalen Wirtschaftspolitik in Argentinien gehabt, die zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten führte. Doch auch die Tätigkeit McKinseys in Berlin wird kritisiert. Zu den Kunden gehören die Vivantes-Kliniken, deren Geschäftsführung mittlerweile Weihnachts- und Urlaubsgeld der Beschäftigten gestrichen und umfangreiche Entlassungen angekündigt hat. Das Bündnis weist auch daraufhin, dass McKinsey-Direktor Peter Kraljic Mitglied der Hartz-Kommission war. Daher erhoffen sich die Kritiker auch zusätzlichen Schwung für ihre Proteste gegen die Arbeitsmarktreform - zumal sich auch der Lieblingsgegner der Hartz-Kritiker, Wolfgang Clement, auf der Geburtsfeier die Ehre gibt. |