Taz vom 16.4.04Protest hinter verriegelter Tür
Die Forensische Klinik in Buch soll an die Bonhoeffer-Nervenklinik verlegt
werden. Patienten der geschlossenen Abteilung befürchten massive
Verschlechterung
"Hier findet keine Pressekonferenz statt", kam es knapp und bestimmt aus der
Sprechanlage am Eingang der Forensischen Klinik in Berlin-Buch. Davor
standen gestern Morgen mehrere irritierte Journalisten, die eifrig noch
einmal ihre Presseunterlagen durchblätterten. Dort stand, dass das
Pressegespräch genau in dem Gebäude stattfinden sollte, zu dem der Pförtner
jetzt den Zutritt verweigerte. Doch die Anweisung kam von der Klinikleitung.
"Patienten können nicht ohne Genehmigung solche Einladungen aussprechen",
begründete der Leiter der forensischen Abteilung, Klaus Kreutzberg, das
Zutrittsverbot für die Presse.
Eingeladen hatten 45 Patienten, die seit mehreren Monaten gegen ihre für den
Herbst 2004 geplante Verlegung in die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik
protestieren. "Wir leben seit Jahren in der geschlossenen Abteilung der
Klinik, können also mit unseren Anliegen nicht nach draußen gehen. Also
haben wir die Presse zu uns eingeladen", erklärte der Patientensprecher
Oliver Baumann später telefonisch.
Die Patienten wehren sich gegen eine massive Verschlechterung ihrer
Lebenssituation. So sollen sie ihre Einzelzimmer verlieren und künftig in
Zweibetträumen untergebracht werden. Außerdem fürchten sie, dass sie ihre
jetzigen Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten, die auch ein wichtiger
Bestandteil ihrer Therapie sind, in ihrem neuen Domizil zu verlieren. Durch
den Umzug und die veränderten Verhältnisse könnten daher Therapieerfolge
sogar in Frage gestellt werden, so Baumann.
Die Patienten hatten klinikintern mit offenen Briefen und Beschwerden auf
ihren Protest aufmerksam gemacht. "Wir Patienten sind gegen diesen, in
unseren Augen völlig sinnlosen, logistisch extrem aufwändigen und dadurch
für den Berliner Finanzhaushalt auch sehr teuren Umzug", heißt es in einer
mit "Beschwerde gegen Zwangsverlegung" überschriebenen Erklärung, die von
den 45 Insassen unterzeichnet wurde. Damit stellen sie auch die offizielle
Begründung für den Umzug in Frage: Er soll aus Gründen der Kostenersparnis
notwenig sein.
Klinikchef Klaus Kreutzberg erklärte gegenüber der taz, dass er als Beamter
des Landes keine Erklärung zu dem Patientenprotest geben könne und verwies
auf die Pressestelle der Senatsverwaltung für Gesundheit. Dort hieß es auf
Nachfragen, dass man sich über die Vorgänge in der Klinik erst informieren
müsse. " PETER NOWAK

[Index] [Nowak] [Thematisch] [vor1999] [1999] [2000] [2001] [2002] [2003] [2004]