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ND 07.09.04Schröder redet Putin nach dem Mund Ekkehard Maaß, Vorsitzender der Deutsch-kaukasischen Gesellschaft, zur Rolle Deutschlands im Tschetschenien-Konflikt ND: Der russische Botschafter in Deutschland wirft der Deutsch-kaukasischen Gesellschaft vor, tschetschenische Terroristen zu unterstützen. Was sagen Sie dazu? Maaß: Diese Anwürfe sind absurd, aber sie sind Auswüchse jener falschen russischen Politik der Gewalt und des Krieges, die in solchen terroristischen Akten fortsetzt, wie wir sie in der Schule von Beslan erlebt haben. Deutschland sollte demokratische Vertreter der tschetschenischen Gesellschaft in den politischen Dialog einbeziehen und Russland so demonstrieren, dass das eine Terroristen sind. Nur mit ihnen könnte man eine Friedenslösung für Tschetschenien finden und dem Terrorismus das Wasser abgraben. Der Bundeskanzler hat kürzlich beim russischen Präsidenten Putin die Wahlen in Tschetschenien gelobt. War das mehr als Diplomatie? Ich glaube schon, dass Schröder auch hinter verschlossenen Türen nicht anders geredet hat, als öffentlich. Schließlich ist ja seit langem bekannt, dass die deutsche Politik der russischen Regierung nach dem Mund redet. Das ist zwar verständlich, weil auf dem russischen Territorium eine Menge Ressourcen lagern, doch es ist extrem kurzsichtig. Denn diese Toleranzpolitik gegenüber der russischen Regierung führt zu einer immer stärkeren Rechtsentwicklung in Russland. Der russische Botschafter in Deutschland hat die deutsch-kaukasische Gesellschaft kürzlich in die Nähe des tschetschenischen Terrorismus gerückt. Es stört die russische Regierung offensichtlich, dass wir für den Dialog mit demokratischen tschetschenischen Politikern eintreten und ihnen auch die Möglichkeit geben, Kontakte zu deutschen Politikern zu knüpfen. Fürchten Sie jetzt auch ins Visier von Polizei und Staatsschutz zu geraten? Zur Zeit gibt es keine konkrete Bedrohung. Doch ein Gefühl der Unsicherheit ist schon entstanden. Es gibt schließlich Beispiele, dass die russische Politik im wahrsten Sinne über Leichen geht. Besonders bedroht sind tschetschenische Politiker im Ausland. Darum fordern wir die Bundesregierung auf, dass sie nach dem Vorbild von Großbritannien in Deutschland lebenden tschetschenischen Exilpolitikern die Möglichkeit gibt, zu ihrer Sicherheit unter Tarnnamen zu leben. Welche Rolle sollte Deutschland in dem Tschetschenien-Konflikt einnehmen? Sie muss die demokratischen Politiker Tschetschenien, wie den gewählten Präsidenten Aslan Maschadow, von dem falschen Vorwurf des Terrorismus rehabilitieren und in den Dialog einbeziehen.
Wird durch eine Islamisierung des Konflikts eine Lösung nicht immer schwieriger? Tschetschenien war immer eine islamische Gesellschaft. Allerdings wurde dort eine sehr gemäßigte Variante der islamischen Religion praktiziert. Erst nach der russischen Besetzung sind die für tschetschenische Verhältnisse untypische radikal-islamische Gruppen entstanden. Ihre Ausbreitung kann nur gestoppt werden, wenn es Verhandlungen mit den demokratischen tschetschenischen Politikern gibt. Welche Rolle spielt die Flüchtlingsbetreuung bei Ihrer Arbeit? Sie ist mittlerweile der Schwerpunkt unserer Arbeit. Erst vor einigen Tagen habe ich 15 junge Tschetschenen in Abschiebehaft besucht. Es geht dabei um juristische Hilfe, um die Besorgung von Rechtsanwälten und um die Verhinderung von Abschiebungen. Ich fordere das Bundesministerium des Innern auf, mit uns als Kennern sowohl der tschetschenischen Verhältnisse als auch der exiltschetschenischen Gemeinde zu kooperieren, wenn es Unklarheiten über die Herkunft von Flüchtlingen gibt.
Fragen: Peter Nowak |