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Blick nach Rechts 20/2004In Halbe liegen Täter und Opfer begraben. Jedes Jahr zum Volkstrauertag geht das gleiche Bild durch die Medien. Neonazis marschieren an dem Soldatenfriedhof im Brandenburger Örtchen Halbe auf, um die Wehrmacht zu glorifizieren. Halbe war im April 1945 Schauplatz der letzten Schlachten des untergehenden NS-Regimes. Auch nachdem die Rote Armee die deutschen Truppen eingekesselt hatte, lehnte die Militärführung auf Befehl Hitlers jegliche Kapitulation ab. Das ist der Stoff, aus dem die Rechten heute ihre Propaganda saugen. Dabei wird kaum erwähnt, dass sich nicht alle Soldaten für das untergehende NS-Regime verheizen lassen wollten. Mindestens 58 Deserteure sind auf dem Friedhof begraben. Sie wurden erschossen, weil sie die Uniform auszogen und sich ergeben wollten.
In Berlin wurde kürzlich die überparteiliche Initiative "Ein Denkmal für die Wehrmachtsdeserteure in Halbe" vorgestellt. Zu den Initiatoren gehören der Gründer der Aktion Sühnezeichen Franz von Hammerstein und der Gründer der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz, Ludwig Baumann. Er wollte im vergangenen Jahr zum Volkstrauertag in Halbe dort beerdigten Deserteuren gedenken. Doch die Aktion wurde zunächst von den Behörden verboten. Damals entstand die Idee, mit einem würdigen Denkmal den Deserteuren an diesem Ort zu gedenken. "Es sind eben auch im Tod nicht alle gleich, sondern auch auf den Friedhof von Halbe liegen Opfer und Täter begraben", betont Baumann, der als 19-Jähriger aus der Wehrmacht desertiert ist.
Wissenschafter, Künstler und Intellektuelle haben sich die Forderung nach der Ehrung der Deserteure zu eigen gemacht. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören unter anderem der Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck, der pensionierte Richter Helmut Kramer und der Militärhistoriker Manfred Messerschmitt. Nach den Vorstellungen der Kriegsgegner soll das Denkmal am 8. Mai 2005, dem 60 Jahrestag der Befreiung, auf dem Friedhof von Halbe eingeweiht werden.
Peter Nowak |