ND 25.05.04Braune Börsentipps
Wirtschaftsmagazin hetzt gegen Juden

Von Peter Nowak
»Rentenbefreiung für alle«. Mit dieser Überschrift wirbt der
Anlegerinformationsdienst »Der Freie Berater« Kunden. Doch mehrere
Interessenten, die sich ein kostenloses Probeexemplar schicken ließen,
staunten nicht schlecht. Die 80-seitige Zeitschrift bietet neben Börsendaten
und Investmenttipps rechtsradikale Propaganda.
Daniel Shanin, Vorsitzender des »Verein zum Schutz der Anleger in der
Finanzdienstleistung« mit Sitz in Magdeburg, der die Zeitschrift herausgibt,
hat sich »den Juden« zum Angriffsziel erkoren. »Des Weiteren muss es in
dieser Nation möglich sein, den Juden zu kritisieren wie den Moslem oder den
Christen und ihn auch öffentlich zu verurteilen«. Als Beleg werden Zitate
aus Henry Fords antisemitischer Schrift »Der Internationale Jude« und aus
den »Protokollen der Weisen von Zion zitiert«. Bei letzteren handelt es sich
um eine Fälschung, die immer wieder von Antisemiten herangezogen wird. Im
Herausgeberkreis des »Freien Berater« sitzt mit Bruno Bandulet ein führender
Kopf der intellektuellen Rechten, der auch in dem mittlerweile aufgelösten
»Bund Freier Bürger« aktiv war. Bandulet ist Autor des rechten Wochenblattes
»Junge Freiheit« und Herausgeber der »Deutschlandbriefe«. Schwerpunkte sind
dort neben der Solidarität mit dem wegen antisemitischer Äußerungen aus der
CDU-Fraktion ausgeschlossenen Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann
Verschwörungstheorien über den 11. September 2001 in den USA.
Die Bielefelder Antifa-West, die auf den »Freien Berater« aufmerksam wurde,
charakterisiert die Zeitschrift als Beispiel für rechte Tendenzen innerhalb
des Mittelstandes. Vor einigen Monaten ist schon die Zeitschrift »Der
Selbstständige« wegen seiner offen rechtsradikalen Tendenzen in die
Schlagzeilen geraten. Auch dort ist Brunon Bandulet ständiger Autor gewesen.

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