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ND vom 21.8.04 Populisten lösen keine Probleme Aktionsbündnis warnt davor, am Wahltag aus Protest rechtsextreme Kandidaten anzukreuzen
Von Peter Nowak und Andreas Fritsche »Schnauze voll« und »Sauerei HartzIV« lauten Wahlparolen, mit denen die rechtsextreme Deutsche Volksunion (DVU) ihren Wiedereinzug in den Brandenburger Landtag am 19. September erreichen will. Noch vor wenigen Monaten haben ihr Wahlforscher kaum Chancen eingeräumt. Zu profillos war ihre bisherige Parlamentsarbeit, und die Kandidaten kannte kaum jemand. Doch mittlerweile ist ein erneuter Einzug der DVU in den Brandenburger Landtag ebenso wenig ausgeschlossen, wie ein Sprung der NPD in den sächsischen Landtag, wo ebenfalls am 19. September gewählt wird. Grund genug für das Brandenburger Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, sich am Sonnabend auf einer Tagung in Potsdam mit den rechtsextremen Aktivitäten im Wahlkampf zu befassen. Eine Wahlprognose für die DVU mochte Stefan Mayer von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres nicht abgeben. Aber er beschrieb die Bedingungen, unter denen rechte Parteien Erfolge haben können. Da ist zunächst die rechte Stammwählerschaft, die in Brandenburg genauso wie in Sachsen über fünf Prozent liegt. Doch in der Regel bleiben viele potenzielle Rechtswähler am Wahltag zu Hause. Je wahrscheinlicher im Vorfeld des Urnengangs ein Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde ist, umso besser lässt sich das Stammwählerreservoir ausschöpfen. So könnten Pressemeldungen, die immer wieder einen Einzug rechter Parteien in die Parlamente prophezeien, diese Entwicklung sogar noch befördern. Auch die Vereinbarung zwischen NPD und DVU, in Brandenburg und Sachsen nicht gegeneinander zu kandidieren und sich darüber hinaus gegenseitig zu unterstützen, macht einen Erfolg der Rechtsextremisten wahrscheinlicher. Ein zweiter Faktor für rechte Stimmengewinne ist die Mobilisierung von Protestwählern. Mit dem Unmut über die Hartz-Gesetze könnten die Rechtsextremen ein solches Thema gefunden haben. Daher ist dieses Mal eine Wahlprognose besonders schwer. Bedrohlich ist die Verankerung der Kandidaten in der Bevölkerung. Die NPD hat bei der Kommunalwahl in Sachsen dort die besten Stimmenergebnisse erzielt, wo sie bekannte Personen, oft selbstständige Handwerker, nominierte. Die DVU, die jenseits des Wahlkampfes wenige Aktionen macht, kann auf dieser Strecke nicht punkten. Wohl aber die Liste »Ja zu Brandenburg«, mit der die NPD-Abspaltung »Bewegung neue Ordnung« zur Landtagswahl antritt. Diese Gruppierung stellte mit Mario Schulz, Mathias Wirth und Lutz Meyer drei Kandidaten auf, die bei den letzten Kommunalwahlen auf NPD-Ticket erstaunliche Einzelergebnisse erzielten. Die Rechten nicht zu unterschätzen, riet am Sonnabend der Kulturwissenschaftler Rolf Gabriel, der für eine wissenschaftliche Arbeit das rechte Milieu Brandenburgs studierte. NPD-Leute in den Kommunalparlamenten bringen ihm zufolge durchaus eigene Anträge ein, und manchmal werden diese Anträge dann noch von anderen Fraktionen unterstützt. So etwas freut die Rechtsextremisten. Über den Umgang mit rechten Parteien entspann sich auf der Tagung eine längere Debatte. Nicht immer nur auf Aktionen der Rechtsextremisten zu reagieren, sondern selber offensiv demokratische Werte zu vermitteln, empfahl Gabriel. »Demokratie muss mehr sein, als eine Methode zur Bestimmung der Regierung«, meinte er unter Beifall. Das Aktionsbündnis warnt davor, Kreuze bei rechtsextremen Parteien zu machen. »Wer glaubt, aus Politikverdrossenheit, Ohnmacht gegenüber der ökonomischen Wirklichkeit und Angst vor der Zukunft Denkzettel verteilen und aus Protest rechtsextreme Kandidaten wählen zu müssen, verdrängt, dass populistische Parolen keine Lösungen bringen, sondern das Klima in unserem Land vergiften«, sagte der Vorsitzende des Aktionsbündnisses, Superintendent Heinz-Joachim Lohmann. Auf juristischem Wege erzwang DVU-Parteichef und Rechtsanwalt Gerhard Frey indessen, dass »Antenne Brandenburg« ein sechsminütiges Interview mit Spitzenkandidatin Liane Hesselbarth machen muss, wie die Partei in einer Mitteilung frohlockte. Zu der Sendung »Brandenburg vor der Wahl« hatte der Radiosender letzte Woche nur die Spitzenkandidaten von SPD, PDS, CDU, FDP und Grünen eingeladen. Dagegen beantragte die DVU nach eigenen Angaben beim Verwaltungsgericht Potsdam eine einstweilige Anordnung. »Antenne Brandenburg« musste demzufolge am Mittwoch um 19.02 Uhr einlenken, damit das einen Tag vorher aufgezeichnete Gespräch mit den fünf Spitzenkandidaten um 20 Uhr über den Äther gehen durfte. Hesselbarth komme nun in den nächsten Tagen zu Wort. »Antenne Brandenburg« konnte dies am Sonntag weder bestätigen noch dementieren. Dem Team, dass gestern Dienst tat, war der Fall nicht bekannt. |