Taz vom 19.4.04Atomgegner suchen Perspektive
Frühjahrskonferenz der Antiatombewegung in Berlin: Transport mit 18 Castoren
aus Rossendorf bei Dresden ins Zwischenlager Ahaus soll Schwerpunkt werden
BERLIN taz Der Antiatombewegung fehlen Nachwuchs und Unterstützung aus der
Bevölkerung. Das ist ein Fazit der traditionellen Frühjahrskonferenz der
Atomgegner am Wochenende in Berlin. In den Fußgängerzonen wenden sich die
PassantInnen ab, wenn sie die Flugblätter mit der Anti-AKW-Sonne sehen, hieß
es in den Berichten der verschiedenen Städte.
"Die Menschen glauben zwar nicht, dass die Regierung wirklich AKWs
stilllegt, doch sie sehen auch keine andere Alternative und wollen daher von
der Thematik wenig hören", so die Einschätzung von Marburger AktivistInnen.
Auch ein Blick über die Grenzen ist für die ÖkologInnen wenig erfreulich.
Mit der Entwicklung des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) könnte gar
ein Rückschritt in der Atompolitik stattfinden, so die Befürchtung mehrerer
Redner. Das französische Penly ist als Standort für diesen Reaktortyp
vorgesehen. Auch andere europäische Länder haben schon ihr Interesse
bekundet, darunter Deutschland. Führende CDU/CSU-PolitikerInnen brachten ein
standortunabhängiges Genehmigungsverfahren ins Gespräch.
Furcht vor Terroranschlägen zu benutzen, um das Interesse der Bevölkerung
für den Atomausstieg zu wecken, lehnte die Konferenz allerdings ab.
Stattdessen will sich die Bewegung auf einen Atomtransport im Frühsommer
konzentrieren. 18 Castorbehälter mit atomaren Altlasten aus dem
DDR-Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden sollen ins nordreinwestfälische
Zwischenlager Ahaus transportiert werden.
Die 600 Kilometer werden über die Autobahn zurückgelegt. Die AktivistInnen
wollen die Strecke am so genannten "Tag X" blockieren. Schon vor Monaten
haben sich Initiativen aus der gesamten Republik im "Dresdner Appell" gegen
den Transport von Rossendorf nach Ahaus ausgesprochen. "PETER NOWAK

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