|
ND 14.05.04Aktionen für Action Directe Von Peter Nowak In den letzten Wochen waren französische Botschaften und Konsulate in verschiedenen europäischen Ländern immer wieder Ziele von Protestaktionen. Nach zwei Kundgebungen in Frankfurt (Main) protestierten zuletzt auch vor der französischen Dependance in Berlin Aktivisten mit Transparenten. Sie forderten die Freilassung von Joelle Aubron, Jean Marc Rouillan, Nathilia Mengion, Regis Schleicher und Georges Cipriani. Namen, die heute kaum jemand mehr kennt. Vor 20 Jahren war das noch anders. Damals waren ihre Steckbriefe in ganz Frankreich verbreitet. Die Fünf waren in der Action Directe (AD) organisiert, einer linken militanten Gruppierung, die nach dem Vorbild der Rote Armee Fraktion in Deutschland und den Roten Brigaden in Italien auch in Frankreich eine Stadtguerilla aufbauen wollte. Die Action Directe verübte Mitte der 80er Jahre Anschläge auf Einrichtungen von Militärs und Kapitalverbänden, wurden aber bald vom Staat zerschlagen. Fast 20 Jahre nach ihrer Inhaftierung fordert jetzt eine kleine Solidaritätsbewegung die Freilassung der ehemaligen AD-Mitglieder. »Vor allem müssen die Inhaftierten freigelassen werden, weil sie schwer krank sind«, erklärte Ariane Müller von der »Initiative zur Freilassung der Gefangenen aus der Action Directe«. Bei Aubron und Rouillan haben die Ärzte eine Krebserkrankung diagnostiziert, Menigon hat seit 1996 insgesamt drei Schlaganfälle erlitten. Trotzdem wurden alle Freilassungsanträge bisher abschlägig beschieden. Die Solidaritätsgruppen erinnern daran, dass die Krankheiten auch Folge der miserablen Haftbedingungen ist, denen die Gefangenen seit nunmehr zwei Jahrzehnten ausgesetzt sind. Neben humanitären Motiven, nennt Müller aber auch politische Gründe für die Solidarität. »Schließlich haben die Gefangenen gegen Imperialismus und Krieg gekämpft.« Wie umstritten das Thema in der Linken ist, lässt sich jedoch auch an den Teilnehmerzahlen der Soli-Aktionen ablesen: Es sind nicht viele Leute, die sich für die Freilassung der Gefangenen einsetzen. Selbst in Frankreich wird das Thema heute weitgehend ignoriert. Zur gleichen Zeit setzen sich bekannte Politiker und Intellektuelle medienwirksam für mehrere Italiener ein, die vor mehr als 20 Jahren unter der Regierung von François Mitterrand in Frankreich Asyl erhielten. Die italienische Justiz fordert nun ihre Auslieferung. Sie werden beschuldigt, Mitglieder der Roten Brigaden gewesen zu sein. |