jungen Welt vom 25.03.2003"Uns fehlen Slogans gegen Saddam"
Kurdische und irakische Oppositionelle in Berlin: Gegen das Baath-Regime und gegen den Krieg der USA
Peter Nowak

Waehrend Tausende Kriegsgegner Ende vergangener Woche gegen den US-Angriff auf den Irak demonstrierten, meldeten sich in Berlin irakische und kurdische Oppositionelle zu Wort. An der Technischen Universitaet Berlin sprachen die irakische Feministin Aras Marouf, Rashid Ghewieblib von der irakischen Kommunistischen Partei, Kadir Wahab von der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) und Ahmad Berwari von der Patriotischen Union Kurdistan (PUK) ueber ihre Vorstellungen von einem Irak nach Saddam Hussein. Die Redner betonten dabei ihre grundsaetzliche Kriegsgegnerschaft, kritisierten jedoch gleichzeitig die deutsche Friedensbewegung.

"Uns fehlt ein Slogan auf den Transparenten. Weg mit Saddam", meinte KP-Vertreter Ghewieblib. Frau Marouf stimmte ihm zu. Die parteilose Feministin sagte, es treffe sie schwer, von Linken in Deutschland als Kriegstreiberin beschimpft zu werden, wenn sie ihre Erfahrungen mit dem irakischen Regime schilderte. "Wir wollen Frieden, aber wir wollen uns auch von Saddam befreien", brachte sie das Dilemma vieler irakischer Oppositioneller auf den Punkt. Es muesse eine Demokratisierung der gesamten irakischen Gesellschaft geben, so Marouf. Besonderen Wert legte sie dabei auf die Rechte der Frauen und warnte in diesem Zusammenhang vor der Gefahr einer Islamisierung des Irak.

Im Gegensatz zu Marouf bezeichnete Ahmad Berwari von der PUK den Islam als Quelle fuer eine kuenftige Gesetzgebung im Irak. Zwar klassifizierte er den Irak als "von der britischen Kolonialmacht geschaffenen Kunststaat". Gleichzeitig beteuerte er wie auch der KDP-Vertreter, man trete fuer die Einheit des Irak ein.

Die kurdischen Vertreter bezogen sich positiv auf die Londoner Konferenz, auf der sich - unter Federfuehrung der USA - ein Buendnis von Oppositionsgruppen auf eine Plattform einigte. Die irakische KP dagegen hatte eine Teilnahme an dem Londoner Treffen von vornherein abgelehnt, weil dort auch ein Krieg der USA gegen den Irak befuerwortet wurde. Gleichwohl wuenscht sich Rashid Ghewieblib beim Kampf gegen das Baath-Regime die Unterstuetzung der weltweiten Antikriegsbewegung. Er zeigte sich ueberzeugt, dass auch die deutschen Demonstranten keine Freunde von Saddam sind.

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