jungen Welt vom 28.02.2003 Uni bald nur noch fuer Reiche?

Studierendenprotest in Zuerich: Uni bald nur noch fuer Reiche?
jW fragte Sarah Schilliger, Sprecherin des Aktionskomitees gegen das neue Unigesetz in Zuerich (Schweiz)
Interview: Peter Nowak

F: In den letzten Wochen haben Studierende verschiedener Zuericher Universitaeten und Hochschulen protestiert und gestreikt. Wie kam es dazu?

Ausloeser war die Ankuendigung eines neuen kantonalen Universitaetsgesetzes, das fuer die Studierenden massive Verschlechterungen bringen sollte: So waeren die Studiengebuehren damit von momentan jaehrlich 1200 Franken (821 Euro) auf 2400 Franken (1642 Euro) verdoppelt worden. Des weiteren sind im neuen Gesetz vorgesehen: kostendeckende Gebuehren fuer Weiterbildung und Nachdiplomstudien, eine Verschaerfung des Numerus clausus und eine Kompetenzerweiterung des Universitaetsrates, der vorwiegend aus Wirtschaftsvertretern besteht und immer mehr die Funktion eines Verwaltungsrates der Uni bekommt. Der Protest richtet sich aber auch gegen die Politik, die hinter diesem Gesetzesvorschlag steht und die Hochschulbildung schleichend privatisieren moechte. Eine unserer wichtigsten Parolen war deshalb auch: "Keine Uni nur fuer Reiche!"

F: Haben nur in Zuerich Aktionen stattgefunden?

Da das Gesetz eine kantonale Angelegenheit ist, war der Protest auf Zuerich beschraenkt. Die Studierenden an anderen Schweizer Universitaeten sind jedoch von aehnlichen Gegenreformen bedroht. An der Eidgenoessischen Technischen Hochschule zum Beispiel wurde kurz nach unserem Warnstreik bekannt, dass die Gebuehren ebenfalls verdoppelt werden sollen. Deshalb stehen wir im Austausch mit anderen Unis und versuchen aufzuzeigen, dass die Gegenreformen, die uns momentan an der Uni Zuerich drohen, in einem nationalen und europaeischen Kontext stehen.

F: Welche Reaktion kam von den Schweizer Parteien und Gewerkschaften?

Die Sozialdemokratische Partei (SP), die Gruenen und die Gewerkschaft des oeffentlichen Dienstes haben sich fuer unseren Protest nicht sonderlich interessiert. Die SP versuchte im Parlament, lediglich "das Schlimmste" - die Verdoppelung der Gebuehren - zu verhindern. Wir vom Aktionskomitee haben von Anfang an klargemacht, dass es uns darum geht, an der Uni eine Bewegung von unten aufzubauen, die sich nicht auf parlamentarisches Geplaenkel einlaesst, sondern die Studierenden zu mobilisieren versucht.

F: Das umstrittene Gesetz wurde vor wenigen Tagen verabschiedet. Sind damit die Proteste zu Ende?

Die Erhoehung der Studiengebuehren ist vorlaeufig aus dem Gesetz herausgenommen worden. Das ist zunaechst ein Erfolg fuer die protestierenden Studierenden. Die anderen Bestandteile des Gesetzes sind jedoch ohne Diskussion angenommen worden. Das Aktionskomitee wird deshalb in den naechsten Wochen ueber weitere Protestaktionen diskutieren und sich mit anderen Schweizer Universitaeten koordinieren.

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