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ND vom 5.11.03 landesweiter Aktionstag der StudentInnen Hessen
Jennifer Pahmeyer ist Hochschulpolitische Referentin im Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) der Marburger Phillips-Universität. ND: Studierende in Hessen haben gestern landesweit zu einem Aktionstag aufgerufen. Was ist der Anlass? Pahmeyer: Heute wird von der hessischen Landesregierung das Studienguthabengesetz im Landtag eingebracht. Danach sollen Kommilitonen, die die Regelstudienzeit überschreiten, Studiengebühren bezahlen. Die Beträge sollen je nach der Semesterzahl 500 bis 900 Euro betragen. Außerdem sieht das Gesetz eine Verwaltungsgebühr von 50 Euro pro Semester für jeden Studenten vor. Die erste Lesung dieses Gesetzes wurde von den Studierenden zum unmittelbaren Anlass für den hessenweiten Aktionstag genommen. Geht es bei den Protesten nur um studentische Belange oder sind sie als Teil einer übergreifenden sozialen Bewegung zu betrachten? Wir sehen die Einführung des Studienguthabengesetzes als Teil des Sozialabbaus insgesamt. Mit unserem Protest wenden wir uns gegen jeden Sozialabbau. Schließlich gibt es für die Kürzungen sowohl bei der Bildung als auch in anderen Bereichen eine gemeinsame Ursache: die neoliberale Politik der Privatisierung, die immer mehr Bereiche der Gesellschaft der kapitalistischen Verwertung unterordnet. Wir arbeiten grundsätzlich mit allen Initiativen zusammen, die sich gegen Studiengebühren und Sozialabbau aussprechen. In Marburg gehören unter anderem der DGB, das »Bündnis gegen Kahlschlag« und die PDS dazu. Wie ist die Mobilisierung unter den Studierenden? Der Aktionstag ist der Beginn von Protesten, wie wir sie hier seit fünf Jahren nicht mehr kannten. Sowohl die Hochschulgruppen, die den kürzlich gewählten AStA tragen, als auch die Fachschaften und das »Aktionsbündnis gegen Studiengebühren« haben eine Vorarbeit geleistet, die Monate vor dem Semesterbeginn angefangen hat. Auf einer gut besuchten Vollversammlung wurde in der letzten Woche der Aktionstag beschlossen. Dort haben sich rund 15 studentische Aktionsgruppen zur inhaltlichen Vorbereitung der Proteste gegründet. Wie war bisher die Stimmung am Campus? Seit Jahren gab es nicht mehr eine solche Proteststimmung an der Universität wie zur Zeit. Insofern ist der Aktionstag schon ein erster Höhepunkt. Es gab auch in den vergangenen Wochen schon Demonstrationen von Studierenden durch die Marburger Innenstadt zum Büro der CDU. Die Stimmung war sehr kämpferisch und die Presse berichtete darüber. Dort wurde auch schon deutlich, dass es bei den Protesten nicht nur um das Geld, sondern um die Frage geht, welche Universität und welche Bildung wir eigentlich wollen. Wie wird es nach dem Aktionstag mit den Protesten weitergehen? Am kommenden Donnerstag wird auf einer Vollversammlung über den weiteren Aktionsfahrplan entschieden. Wir gehen davon aus, dass der Protest fortgesetzt wird. Dabei ist auch ein Streikbeschluss nicht ausgeschlossen, der bei der letzten Vollversammlung noch zugunsten des Aktionstages verworfen wurde. Fragen: Peter Nowak |