jungen Welt vom 06.03.2003 Kulturelle und politische Medien-Alternative?

Kampagne fordert Freies Radio fuer Berlin: Kulturelle und politische Medien-Alternative?
Winni Medina ist Mitglied der "Radiokampagne", die fuer Berlin die Vergabe einer Radiofrequenz an ein Freies Radio fordert. Am Dienstag hat die Medienanstalt Berlin/Brandenburg statt dessen zwei Frequenzen an kommerzielle Radios vergeben
Interview: Peter Nowak

F: Welches Ziel verfolgt Ihre Kampagne?

Es geht uns um eine regulaere, lizenzierte 24-Stunden-Frequenz fuer ein selbstverwaltetes Radio, wie sie in anderen Bundeslaendern teilweise seit geraumer Zeit voellig normal ist. Dort ist auch die Finanzierung dieses nicht-kommerziellen Lokalfunks durch GEZ-Gebuehren gesetzlich festgelegt. Genau das wollen wir auch fuer Berlin.

F: Geht es bei einem freien Radio nur um bessere Musik oder auch um politische Inhalte?

Ich kann das schlecht trennen - Musik und politische Inhalte sind kein Gegensatz. Musik im Freien Radio wird vielleicht etwas bewusster danach ausgewaehlt, den Leuten auch Produktionen kleiner Labels zu Gehoer zu bringen und nicht stur der Heavy Rotation von MTV zu folgen, die eng mit der grossen Musikindustrie verknuepft ist.

Musikalisch wie bei Wortbeitraegen geht es vor allem darum, abseits der harten Verwertbarkeitskriterien, die ueberall angelegt werden, das Medium Radio fuer die Allgemeinheit zu oeffnen - und natuerlich auch darum, unabhaengige politische Meinungsaeusserungen zu ermoeglichen. Das Mikrofon auf fuer diejenigen, die was zu sagen haben - egal ob als DJ mit cooler Mucke oder mit Text verbal!

F: Die Medienanstalt hat in ihrer Presseerklaerung vage angekuendigt, bei den naechsten Entscheidungen bisher im Rundfunk unterrepraesentierte Gruppen beruecksichtigen zu wollen, allerdings nur in Kooperation mit dem Offenen Kanal Berlin (OKB). Waeren damit Ihre Forderungen erfuellt?

Nein. Der OKB verfolgt ein Konzept, das mit Selbstverwaltung nicht viel zu tun hat. Dennoch stellt er eine Moeglichkeit fuer den Buerger dar, sich an Medien zu beteiligen. Wir wuerden es begruessen, wenn der OKB nicht nur auf Kabel zu empfangen waere. Allerdings haette ein Freies Radio eine viel groessere Attraktivitaet, weil die Leute es als ihr eigenes Projekt begreifen wuerden. In einer Stadt wie Berlin muss es moeglich sein, beiden Projekten, dem OKB und dem Freien Radio, eine Sendelizenz zu erteilen.

F: Wie wollen Sie Ihre Forderungen nun durchsetzen?

Wir werden weiterhin Veranstaltungen organisieren, um als radiokampagne.de bekannter zu werden und Leute aus den vielfaeltigen Berliner Subkulturszenen anzusprechen. Medienanstalt und Politiker muessen erkennen, dass es mehr als angebracht ist, ein Freies Radio zu lizenzieren. Den Wunsch nach freierer Nutzung des Aethers signalisieren nicht zuletzt Piratensender, die von Zeit zu Zeit On Air sind. Fuer jeden, der sich die bestehenden Berliner Radioprogramme anhoert, wird die Notwendigkeit fuer ein Freies Radio offensichtlich.

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