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Telepolis12.09.2003Neonazis mit Kontakten
Peter Nowak Die gewaltbereite rechte Szene sorgt wieder einmal für Schlagzeilen Nachdem die Polizei am vergangenen Dienstag 15 Kilogramm Sprengstoff bei verschiedenen Hausdurchsuchungen gefunden hatte, wurden fünf Neonazis in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verhaftet [1]. Die aktuelle Razzia wurde durch einen Streit [2] innerhalb der rechten Szene in München ausgelöst. Am 19.Juli 2003 wurde in Unterschleißheim bei einer Schlägerei ein 23-jähriger Mann von zwei Skinheads schwer verletzt. Der Angegriffene hatte sich nach eigenen Angaben von der Skinhead-Szene losgesagt. Nachdem Passanten die Polizei informierten, konnten die Täter ermittelt werden. Gegen die beiden Hauptverdächtigten wurde Haftbefehl erlassen. Im Zuge der Ermittlungen kamen die Sprengstoff- und Waffenfunde an die Öffentlichkeit. Noch ist unklar, ob ein Sprengstoffanschlag unmittelbar bevorstand. Vermutungen wurden geäußert, dass ein Anschlag auf die Baustelle [3] der Hauptsynagoge, des jüdischen Gemeindezentrums und des Jüdische Museums in Münchens oder vielleicht auch auf das Oktoberfest [4] geplant gewesen sein könnte. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen, da der Verdacht auf die Bildung einer terroristischen Vereinigung bestehe. Der Anführer der Neonazigruppe soll der 27jährige Martin Wiese sein. Bei ihm wurden unter anderem zwei scharfe Schusswaffen, mehrere Stichwaffen, eine Streitaxt, Sturmhauben und umfangreiche schriftliche Unterlagen sichergestellt. Der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Wiese agierte als informeller Führer der "Kameradschaft Süd - Aktionsbüro Süddeutschland", einer Gruppe von etwa 25 Rechtsextremen . Gegen ihn wurde bereits 2001 ermittelt, weil er versucht haben soll, einen griechischen Passanten zu töten [5]. Das Verfahren war allerdings wegen Mangel an Beweisen eingestellt worden. Doch Wiese war nicht nur als berüchtigter Stiefelnazi bekannt geworden. Er war auch ein führender Aktivist der rechten Sammlungsbewegung Demokratie direkt [6]. Dort arbeiten offene Neonazis mit Rechtskonservativen und Republikanern zusammen [7]. Der Grundsatz von "Demokratie Direkt" lautete, die Bürger mit scheinbar neutralen Themen anzusprechen und so für rechte Inhalte empfänglich zu machen. So sammelte die Gruppe Unterschriften für den Erhalt eines Atombunkers in München. Damit sollte der an dieser Stellte geplante Bau einer Synagoge und eines jüdischen Museums verhindert werden. Nach Angaben des Münchner Publizisten Max Brym hatte "Demokratie direkt" den Münchner Arbeiterstadtteil Stadtteil Giesing zum Aktionsschwerpunkt und Rekrutierungsfeld für neue Mitglieder erhoben [8]. Auf gut besuchten Diskussionsveranstaltungen sollen bis zu 100 Besucher angelockt worden sein. Das letzte Mal geriet "Demokratie direkt" am 17.Juni in die Schlagzeilen. Die Organisation hatte eine Mahnwache "zum Gedenken an den Volksaufstand in Ostdeutschland" angemeldet, um - so die Ankündigung gegen "Volksbetrug", "Masseneinwanderung von Ausländern, kulturelle Verflachung und sexuelle Perversion" zu demonstrieren [9]. Doch die Aktion wurde ein Reinfall. Nur knapp ein Dutzend Rechtsextreme fanden sich am Münchner Stachus ein. Darunter war Martin Wiese mit weiteren Mitgliedern seiner Kameradschaft. An der Mahnwache nahm auch ein gewählter Kreisrat der CSU teil. Auch der Münchner Sprecher von Demokratie direkt, Thomas S. Fischer ist bekennendes Mitglied der CSU. Mittlerweile ist auf der Homepage von "Demokratie direkt" eine Distanzierungserklärung von Wiese zu lesen [10]. "Weder ist Martin Wiese Mitglied von Demokratie direkt, noch hat der Verein etwas mit angeblich geplanten Sprengstoffattentaten zu tun. Unsere Aktivitäten beschränken sich auf Mahnwachen und das Verteilen von Flugblättern. Möglicherweise handelt es sich hier um die bewusste Diskreditierung eines unbequemen Vereins", heißt es dort. Zu der Teilnahme Wieses an Aktivitäten der Gruppierung ist in der Presseerklärung allerdings nichts zu lesen.
Links
[1] http://www.netzeitung.de/deutschland/254019.html [2] http://www.polizei.bayern.de/ppmuc/aktuell/index.htm [3] http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/841/17824/ [4] http://www.welt.de/data/2003/09/12/167301.html [5] http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/special/muenchen/aib55s39-40.pd f [6] http://www.d-direkt-deutschland.de [7] http://www.klick-nach-rechts.de/ticker/2003/05/demokratie-direkt.htm [8] http://www.members.partisan.net/maxbrym/html/as_demokratiedirekt.htm [9] http://www.indynews.de/index.php?id=51&backPID=17&tt_news=271 [10] http://www.d-direkt-deutschland.de |