jungen Welt vom 15.04.2003 Thema Krieg erst kuerzlich entdeckt?

Jugendumweltkongress bei Hamburg: Thema Krieg erst kuerzlich entdeckt?
jW fragte Sven Cronenberg, Presseverantwortlicher des 10. Jugendumweltkongresses (JUKSS), der vom 16. bis zum 23. April in Hittfeld bei Hamburg stattfindet
Interview: Peter Nowak
F: Welchen inhaltlichen Schwerpunkt hat der diesjaehrige Jugendumweltkongress?
Es gibt in diesem Jahr acht gleichberechtigte Themenstraenge: Globalisierung, Utopie, Partiarchat/Gender/Sexismus, Antiatom, Gentechnik, Rechtspopulismus/das Symptom Schill, Naturverstaendnis und aufgrund der aktuellen Ereignisse Krieg und Frieden. Dabei ist es uns sehr wichtig aufzuzeigen, wie die verschiedenen Themen bzw. Herrschaftsmechanismen miteinander verwoben sind. Zusaetzlich gibt es viele praktische und kreative Workshops.
F: Bisher fand der Kongress immer zum Jahresende statt.
Auch dieses Mal war die Durchfuehrung des Kongresses ueber Silvester geplant. Die Suche nach einer geeigneten Schule, die bereit gewesen waere, den JUKSS zu beherbergen, gestaltete sich jedoch sehr schwierig. Deshalb mussten wir den Kongress auf Ostern verschieben.
F: Es faellt auf, dass die Themenpalette sehr breit ist. Ist der Titel "Jugendumweltkongress" da nicht zu einengend. Warum wird daran festgehalten?
Der Titel steht vor allem fuer ein Lebensgefuehl und das Konzept eines offenen, selbstverwalteten Kongresses. Die Bedeutung dieses Selbstverwaltungsaspektes und des Experimentierens mit anderen Entscheidungsstrukturen ist ueber die letzten Kongresse weiter gewachsen. Zwar ist Umweltpolitik in der Tat nicht mehr das einzige Thema, aber immer noch ein Schwerpunkt. In diesem Jahr geht es auf dem JUKSS auch um die Themen Atomenergie, Gentechnik und die Diskussion um Natur und Menschenbilder in politischen Theorien.
F: Das Thema Krieg und Frieden fehlte bei den Themenstraengen im Faltblatt.
Die aktuellen Ereignisse haben den Flyer ueberholt. Dieser ging kurz nach Silvester in Druck. Damals hatte der Krieg in Irak noch nicht begonnen, und es war noch wenig vom Wiedererstarken der Friedensbewegung zu sehen. Wir haben angesichts der aktuellen Entwicklung das Thema "Krieg und Frieden" und die Diskussion ueber die Bewegung gegen den Irak-Krieg als zusaetzliches Schwerpunktthema aufgenommen. Aber wir wollen bei aller Kritik am Vorgehen der USA nicht die politischen Widersprueche hier in der BRD vergessen: Diese treten spaetestens dann zutage, wenn Schueler, die hier in Hamburg aus Anlass des Irak-Kriegs streiken, wie am 24. Maerz, von Polizisten zusammengeknueppelt werden. Trotz aller Antikriegsrhetorik der Bundesregierung muessen Menschen, die mehr tun als mit ihrer Regierung auf die Strasse zu gehen, mit nicht zu rechtfertigenden Repressionen rechnen.
* Infos: www.jugendumweltkongress.de

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