Telepolis vom 23.11.03Proteste gegen Islamisten

Peter Nowak
Mit einem Schweigemarsch forderten Islamisten dieses Mal am al-Quds-Tag
die "Befreiung Jerusalems"
Islamistischer Fundamentalismus in Deutschland. Wer denkt da nicht an
die im verborgenen arbeitenden Gruppen um Atta und Co. in
Hamburg-Harburg? Dabei ziehen seit 1995 jährlich Ende November, zum
Ende des Fastenmonats Ramadan, Islamisten mit israelfeindlichen Parolen
durch Berlin. Fromme Moslems in allen Teil der Welt zelebrieren an
diesem Datum den Al-Quds-Tag, der 1979 vom iranischen Revolutionsführer
Ayatollah Chomeni ausgerufen wurde. Gefordert wird die "Befreiung
Jerusalems und der heiligen islamischen Stätten" von den Israels und
den Juden.
Bisher wurde der Marsch, zu dem sich nie mehr als 2.000 Gläubige
versammelten, wenig beachtet. Doch in diesem Jahr hat sich das
geändert. Der CDU-Innenexperte Kurt Wansner forderte das Verbot des
islamistischen Aufmarsches. Berlins Innensenator sah dafür keine
rechtliche Grundlage [1].
Mehr als 150 Prominente aus Politik und Kunst setzten mehr auf
Eigeninitiative und riefen zu Gegenaktionen auf. Einige Demonstranten
stellten sich am Samstagvormittag den etwa 1.000 Islamisten in den Weg
und wurden von der Polizei vorübergehend eingekesselt. Zu
Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen kam es nicht. Wegen
der Diskussionen haben die Veranstalter des Al-Quds-Tag in diesem Jahr
auf das Skandieren von Parolen verzichtet und sich auf einen
Schweigemarsch geeinigt. Die Polizei beschlagnahmte [2] ein Plakat mit
der Aufschrift "Juden sind Mörder": . Zu den Gegnern des Aufmarsches
gehörte auch eine "Migrantische Initiative gegen Antisemitismus", die
sich überwiegend aus in Deutschland lebenden Menschen mit kurdischen
oder türkischen Hintergrund zusammensetzt [3]. Sie zieht eine Linie
von den Anschlägen in der Türkei zu den Al-Quds-Demonstranten Die
Migranteninitiative ist am vergangenen Freitag in mit einer
Gedenkkundgebung in Berlin-Kreuzberg für die Opfer der Anschläge von
Istanbul erstmals in Erscheinung getreten: "Die migrantischen
Communities haben die jüdischen Menschen in diesem Land bei der
Bekämpfung des Antisemitismus bislang allein gelassen", heißt es in dem
Aufruf.
Die Proteste gegen den Al-Quds-Tag in Berlin haben nicht nur in der
deutschen, sondern auch in der iranischen Presse Erwähnung [4]
gefunden. Dort sah man natürlich die "israelische Lobby" am Werk.

Links

[1] http://www.politikforum.de/forum/archive/6/2003/11/3/42135
[2] http://derstandard.at/?id=1491211
[3] http://x-berg.de/racism/03/11/19/193225.shtml
[4]
http://www.memri.de/uebersetzungen_analysen/laender/iran/iran_alquds_20_
11_03.html

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