jungen Welt vom 08.02.2003Gruenes Licht fuer US-Aufmarsch
Tuerkische Zustimmung zu Truppenstationierung fuer Angriff auf Irak. Bevoelkerung gegen Krieg
Peter Nowak

Am Donnerstag wurde von der tuerkischen Regierung und der Militaerspitze offiziell bekanntgegeben, dass man der Stationierung von US-Truppen auf ihrem Territorium zustimmen wird. Die Tuerkei koenne es sich nicht leisten, den Wunsch der USA abzulehnen, versuchte der tuerkische Ministerpraesident Abdullah Guel diese Entscheidung zu rechtfertigen. Dabei ist die grosse Mehrheit der Bevoelkerung in der Tuerkei entschieden gegen die Kriegsplaene der USA. Auch bei den Anhaengern der moderat-islamischen Regierungspartei AKP ist ein Angriff auf den Irak aeusserst unpopulaer. Trotzdem war allen politischen Beobachtern klar, dass die Regierung sich nicht gegen die US-Interessen stellen wird. Schliesslich hatten die USA schon lange vor der Entscheidung des Parlaments Fakten geschaffen. Das Pentagon hat nach Meldungen tuerkischer Zeitungen mit tuerkischen Baufirmen Vertraege im Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Dollar abgeschlossen, um mehrere Flugplaetze und Haefen den Beduerfnissen der US-Truppen anzupassen. Eine Bahnlinie vom Mittelmeerhafen Mersin bis zum irakischen Mosul soll fuer Schwertransporte nachgeruestet werden. Darueber hinaus melden tuerkische Zeitungen, dass 2 000 in Deutschland stationierte GIs bereits ihren Marschbefehl fuer die Tuerkei erhalten haetten.

In den letzten Tagen hatte das Pentagon die Drohungen gegen die Tuerkei noch einmal verstaerkt. Die Turkish Daily-News zitierte anonyme Pentagon-Quellen, nach denen die USA gedroht haetten, mit anderen Laendern in der Region eine Nordfront gegen den Irak aufzubauen. Damit konnte nur Syrien gemeint sein. Das duerfte allerdings mehr Bluff als Realitaet gewesen sein. Hatte doch schon vor mehr als einem Jahr der Journalist Mehmet Ali Birand in der Turkish Daily News geschrieben: "Geht es um den Irak, dann kommt einem zuerst die Tuerkei in den Sinn. Zu jeder Operation gegen den Irak braucht die USA die aktive oder zumindest die verbale Unterstuetzung der Tuerkei". Allerdings diente die "Syrien-Connection" dazu, die tuerkische Regierung erfolgreich unter Druck zu setzen, damit sie die endgueltige Zustimmung gibt. Mit dem tuerkischen Generalstab, der noch immer die entscheidenden Machtbefugnisse im Land besitzt, waren sich Pentagonvertreter nach einer hektischen Pendeldiplomatie schon im letzten Sommer einig geworden.

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