telepolisv om 11.3.03Endstation Miami
Peter Nowak
Auch Transit kann im Land der unbegrenzten Möglichkeiten manchmal
unmöglich sein

Für drei Wochen war die Reise nach Venezuela geplant gewesen, doch
schon nach 8 Stunden war sie abrupt beendet. Gemeinsam mit dem Kollegen
Jens Klinker wollte ich an einem Treffen [1] verschiedener
globalisierungskritischer Organisationen Lateinamerikas teilnehmen, das
in den nächsten Tagen in Venezuelas Hauptstadt stattfindet. Doch der
Trip nach Caracas endete schon am Flughafen von Miami.

Dabei sollten wir dort lediglich das Flugzeug wechseln. Eine Einreise
in die USA war von uns nicht beabsichtigt gewesen. Doch vor dem
Transitbereich hatten sich schon waffentragende Immigration Officer
postiert, die die Pässe kontrollierten. Dabei fand ein Irak-Visum, das
ich für eine Journalistendelegation benötigt hatte, die Aufmerksamkeit
eines Beamten. "Sie waren ja in Bagdad", rief er laut durch die Halle.
Für eine Entgegnung, dass ich eben anders als viele US-Bürger, die zur
Zeit in Uniform im Irak sind, legal eingereist war und deshalb ein
irakisches Visum im Pass habe, hatte ich keine Gelegenheit.

Wir wurden vorläufig festgenommen und stundenlang verhört. Zunächst
konzentrierten sich die Fragen auf meinen Irakaufenthalt. "Haben Sie
dort Saddam Hussein getroffen?" lautete eine durchaus ernstgemeinte
Frage. Bald interessierten sich die Befrager für politische Aktivitäten
der letzten 20 Jahren im Allgemeinen, die Linke und die
Antikriegsbewegung im Besonderen. Von meinen Kollegen wollten sie
wissen, ob er an antiamerikanischen Demonstrationen teilgenommen hatte.
Unser durch Presseausweise beglaubigter Journalistenstatus wurde dabei
ebenso souverän ignoriert wie unsere Forderung nach Hinzuziehung eines
Rechtsanwalts. Ein Anruf beim deutschen Konsulat war erst nach fast 24
Stunden möglich.

In der Zwischenzeit hatten die Beamten schon eine CIA-Akte mit
Fingerabdrücken und Fotos über uns angelegt. Nach dem Ende des
Prozedere mussten wir die restlichen 16 Stunden in einer fensterlosen
und rund um die Uhr hell erleuchteten Abschiebezelle mit ständig auf
voller Lautstärke laufendem Fernsehgerät verbringen. Sieben Männer
lateinamerikanischer Herkunft warteten dort ebenfalls auf ihre
Abschiebung.

Am Dienstag um 16 Uhr wurden wir schließlich von bewaffneten Beamten
direkt zum Flugzeug zurück nach London geleitet. Dabei hätten uns die
US-Behörden viel schneller los werden können. Unser gebuchter Flug nach
Caracas startete am Montag um 17.30 Uhr. Gegen meinen mitreisenden
Kollegen, der nie im Irak war, wurde ein fünfjähriges Einreiseverbot in
die USA verhängt. Mir wurde eine solche Bescheinigung wie auch das
Vernehmungsprotokoll gar nicht erst ausgehändigt. Die juristischen
Grundlagen der gegen uns vollzogenen Maßnahmen, teilte man uns nicht
mit. "Wir bestimmen hier, und wir machen das einfach so", lautete die
Standardantwort der Beamten.

Links

[1] http://www.forobolivariano.org.ve

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