jungen Welt vom 15.05.2003 Gruenes Licht fuer Garchinger Atomei
Bayerisches Umweltministerium genehmigte Betrieb des Forschungsreaktors mit atomwaffenfaehigem Uran
Peter Nowak

Im bayerischen Umweltministerium wurde dieser Tage eine Entscheidung getroffen, die die Anti-AKW-Bewegung eigentlich aufschrecken muesste: Die Behoerde gab gruenes Licht fuer den Forschungsreaktor FRM-II in Garching bei Muenchen. Umweltminister Werner Schnappauf erteilte jetzt die dritte und letzte atomrechtliche Genehmigung fuer den Reaktor. Damit steht der Inbetriebnahme und dem Routinebetrieb des als besonders unsicher geltenden Garchinger Atomeis nichts mehr im Wege.
Der von Siemens und der Muenchner Universitaet gebaute Reaktor ist ein Renommierprojekt der Bayerischen Landesregierung. Seit Jahren werden grosse Summen fuer die Akzeptanzwerbung ausgegeben. Dabei wird der medizinische Nutzen des Forschungsreaktors in den Mittelpunkt gestellt und seine totale Harmlosigkeit behauptet. Zu Unrecht, findet Gina Gillig von der Initiative "Buerger gegen Atomreaktor Garching". "Es ist zu befuerchten, dass vor den Toren Muenchens ein atomares Zwischenlager entsteht", sagt sie. Mit zwei weiteren AKW-Kritikern gruendete Gillig im September 1990 die Buergerinitiative. Zur ersten Demonstration 1993 kamen mehr als 1500 Menschen in den Muenchner Vorort. Seitdem kam es immer wieder zu kleineren Protesten. Spektakulaere Aktionen blieben in Garching allerdings aus. Da der Reaktor nicht zur Stromerzeugung dienen soll, hielt sich das Interesse der Anti-AKW-Szene ausserhalb des Freistaats in Grenzen. Im Rahmen eines rechtlich unverbindlichen Buergerbegehrens sprach sich 1999 immerhin die Mehrheit der Garchinger Bevoelkerung gegen den neuen Reaktor aus.
Allerdings hat das Atomei schon Jahre vor der Inbetriebnahme fuer aussenpolitischen Streit gesorgt. Mit dem Bau des FRM II setzt sich die bayerische Landesregierung ueber weltweite Bemuehungen hinweg, den Einsatz atombombenfaehigen Urans zurueckzufahren. Denn erstmals seit zwei Jahrzehnten wird wieder ein Reaktor in Betrieb genommen, der mit hochangereichertem Uran beschickt wird, das auch zum Bau von Atombomben verwendet werden kann. Ein Umstand, der mit dazu beigetragen hat, dass das Garchinger Projekt im Ausland aeusserst kritisch gesehen wird. Dort wurde die Befuerchtung geaeussert, dass in Garching ein Praezedenzfall geschaffen wird und ein neuer Markt fuer den Atombombenstoff unter deutscher Kontrolle entstehen koennte.

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