TELEPOLIS05.01.2003 Reiseziel Bagdad

Peter Nowak

Ganz unterschiedliche Antikriegsinitiativen sind derzeit im Irak
anzutreffen

"No War - No Sanctions" lauteten die zentralen Parolen auf den
Transparenten. Solche Slogans gegen den drohenden US-Angriff auf den
Irak sind in diesen Tagen in vielen Teilen der Welt zu hören. Trotzdem
war die Antikriegsdemonstration am 2. Januar eine Premiere. Sie fand
nämlich vor dem UN-Hauptquartier in Bagdad statt. Die ca. 200
Teilnehmer setzten sich aus Teilnehmern von zwei
Solidaritätsdelegationen zusammen, die um die Jahreswende in den Irak
gefahren waren, um auf diese Weise ihren Widerstand gegen den scheinbar
unabwendbaren Krieg zu dokumentieren.

Die internationale Zusammensetzung wurde beim Skandieren der Parolen
deutlich. Auf spanisch, italienisch, englisch, japanisch, deutsch,
französisch und türkisch wurde die Kritik am Krieg und am Embargo zum
Ausdruck gebracht. Die Vereinten Nationen wurden aufgefordert, "in
keiner Weise legale und politische Unterstützung für den von
Großbritannien und den USA vorbereiteten Krieg" zu leisten. Der
beabsichtigte Angriff diene einzig der "Besetzung des Irak" und
widerspreche dem Völkerrecht, hieß es in einer Erklärung. Außerdem
wurden die Vereinten Nationen aufgefordert, die Sanktionen umgehend zu
beenden, die einen "unerklärten Vernichtungskrieg gegen den Irak"
darstellten.

Initiiert wurde diese unter großer Anteilnahme der Medien durchgeführte
Aktion von zwei antiimperialistisch ausgerichteten
Irak-Delegationen [1]. Doch der politische Hintergrund der
Irak-Reisenden in Sachen Frieden ist in diesen Tagen sehr
unterschiedlich.

Ebenfalls um die Jahreswende befand sich auch eine vom Nationalrat der
US-Kirchen organisierte Delegation [2] mit 13 Teilnehmern in Bagdad.
Ihr Ziel war die Änderung der öffentlichen Meinung in den USA. "Wir
wollen die Stimmen der Iraker aus den Krankenhäusern, aus den Schulen,
von den Märkten und Straßen und nicht zuletzt auch von den
Kirchenvertretern, mit denen wir gesprochen haben, in die USA
zurücktragen", erklärte Delegationsteilnehmer Victor Makari in einem
Interview [3].

In der nächsten Zeit werden weitere Delegationen im Irak erwartet.
Schon am 5. Januar startet eine von der Gesellschaft Kultur des
Friedens [4] organisierte Gruppe. Daran nimmt auch der bekannte
Liedermacher Konstantin Wecker [5] teil. Er unterstütze mit seiner
Anti-Kriegsaktion die Menschen, aber nicht das Regime von Saddam
Hussein, erklärte der Künstler in einem Interview [6]. Wecker wird auch
Anfang Februar wieder an Protesten gegen die Nato-Sicherheitskonferenz
in München teilnehmen.

Weitere Delegationen aus Europa und den USA sollen in den nächsten
Wochen unter dem Motto "Stoppt den Krieg, bevor er beginnt"
starten [7]. Mehrere Antikriegsinitiativen, wie die US-amerikanische
Gruppe Voices of the Wilderness [8], haben schon angekündigt, auch nach
Beginn eines US-Angriffes den Irak nicht zu verlassen. Die Pazifisten
wollen auch dann über die Zustände vor Ort berichten und sich nicht auf
die CNN-Bilder verlassen. Dort waren während des letzten Irakkriegs
1991 lediglich Lichtblitze über irakischen Städten, aber weder tote
oder verwundete Menschen noch zerstörte Häuser zu sehen.

Peter Nowak, Amman

Links

[1]
http://www.antiimperialista.org
[2] http://www.ncccusa.org/news/02news104.html
[3] http://www.jungewelt.de/2003/01-04/015.php
[4] http://www.culture-of-peace.org/
[5] http://www.wecker.de
[6] http://www.wecker.de/backstage.html
[7] http://www.irakdelegation.de/
[8] http://www.nonviolence.org/vitw/

[Index] [Nowak] [Thematisch] [vor1999] [1999] [2000] [2001] [2002] [2003]