jungen Welt vom 07.06.2002Am Sonnabend »Crawal« in Leipzig
Rechtsextremisten mobilisieren gegen Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht
Peter Nowak

Die überarbeitete Wehrmachtsausstellung macht in der Alten Messe in Leipzig Station. Wie an anderen Orten vorher haben Rechtsextremisten auch dort Proteste angekündigt. Dabei scheint es eine Arbeitsteilung zu geben. Sogenannte freie Nationalisten und die NPD mobilisieren für Sonnabend ihre Stiefelnazis zu einer Demonstration und setzen so ihren internen Machtkampf fort. Während die NPD ihren Aufmarsch am Völkerschlachtdenkmal beginnen will, hat der Hamburger Neonazi Christian Worch eine Demonstration vom Hauptbahnhof zum Völkerschlachtdenkmal angemeldet.

Antifaschisten rufen zu Gegenaktionen auf und wollen die Neonaziaufmärsche verhindern. Selbst wenn das gelingt, ist der Widerstand gegen die Wehrmachtsausstellung damit nicht gebrochen. Denn mit Flugblattaktionen, Infoständen und Happenings will ein Bündnis unter dem Namen »Crawal in Leipzig« aktiv werden. Die Abkürzung steht für »Contra-Wehrmachtsausstellung Leipzig«. Auf ihrer Homepage stellt sich die Initiative als »einige Jugendliche und Erwachsene aller politischen Richtungen« vor. Doch schon auf der Startseite wird mit der Bannerwerbung für die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit deutlich, aus welcher politischen Ecke die Initiative kommt. Kontaktperson ist Jörg Krause vom Leipziger Jugendverband der Deutschen Sozialen Union, die in den letzten Jahren vom Bündnispartner der CSU zur rechten Splittergruppe mutierte. Ziel der Initiative ist das Gewinnen von Mitstreitern aus dem konservativen Lager im Kampf gegen die Wehrmachtsausstellung.

Auf der Internetseite werden alle Anwürfe aufgeführt, die in rechtsextremen Kreisen in den letzten Jahren gegen die Wehrmachtskritiker vorgebracht wurden. Besonders im Visier der »Crawaller« steht der Hamburger Mentor der Ausstellung, Jan-Philipp Reemtsma. Darüber hinaus wird die angebliche »Verschwendung von Steuergeldern« in den Mittelpunkt der Propaganda gestellt. So heißt es in der Crawal-Presseerklärung: »Die Leipziger Bürger sollen darüber aufgeklärt werden, daß entgegen eines Beschlusses des Leipziger Stadtrats aus dem Jahre 1997, der die Wehrmachtsausstellung nur nach Leipzig holen wollte, wenn das den Kommunen keinen Pfennig kostet, die Stadt Leipzig in Vorfinanzierung geht und so das Steuersäckel strapaziert«. Auch das Begleitprogramm zur Ausstellung wird heftig angegriffen: »Die von der Stadt geplanten Rahmenprogramme sollen ebenfalls kritisch betrachtet werden, da kaum zu erwarten ist, daß mit Steuermitteln der Bürger Leipzigs ein realistisches Bild der deutschen Wehrmacht und ihrer Angehöriger gezeichnet wird.«

Besonders junge Menschen sollen angesprochen werden. Die Initiatoren kämpfen in typisch neurechter Diktion »gegen den herrschenden Zeitgeist« und beklagen sich über linke Gegenaktivitäten: »Die Antifa Leipzig listet uns als Nazis, als wenn wir was mit Sozialisten zu tun haben wollten.« Über die reale Stärke der Initiative ist wenig bekannt. Im Internet heißt es vage: »100 Unterstützer/Helfer - wir werden mehr«.

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