Telepolis15.05.2002Auf der Suche nach dem neuen Internationalismus

Peter Nowak


Auf dem BUKO-Kongress "Tatort Globalisierung" ging es auch um das
Verhältnis zum globalisierungskritischen Netzwerk Attac

Am vergangenen Sonntag endete ein viertägiger Kongress, zu dem unter
dem Motto "Tatort Globalisierung - Internationalismus nach Seattle,
Genua und dem 11. September" die "Bundeskoordination
Internationalismus" ( [1]BUKO) geladen hatte.

Neben vielen jungen Leuten, die durch die Proteste der letzten Jahre
politisiert wurden, hatten sich auch zahlreiche Politveteranen
eingefunden. Kein Wunder, gehört doch der BUKO zu den ältesten linken
Netzwerken in der BRD. Entstanden ist er 1977, als das
sozialdemokratische Entwicklungshilfeministerium einen Ansprechpartner
für die boomende Projekte- und Initiativenszene im Bereich der
"3.Welt-Arbeit" suchte. Davon zeugte auch der gerade erst entsorgte
Name "Bundeskoordination Entwicklungspolitischer Aktionsgruppen".

Erklärtes Ziel des Jubiläums-BUKO war, sich den bisher nicht in dem
Netzwerk arbeitenden politischen Gruppen vornehmlich aus dem
antirassistischen und antifaschistischen Spektrum zu öffnen.
Schließlich will der BUKO dem globalisierungskritischen Netzwerk
[2]Attac nicht die Hegemonie in der Internationalismusdebatte
überlassen. Das Verhältnis zwischen beiden Netzwerken wird von Kritik
und Kooperation bestimmt, wie auf dem Kongress deutlich wurde.

So nahm etwa der mexikanische Soziologe [3]John Holloway mit seinen
[4]12 Thesen über Anti-Macht eine Gegenposition zu Attac ein. Die
globalisierungskritischen Bewegungen dürfen sich nicht positiv auf
Nationalstaaten und den Staatsapparat überhaupt beziehen, lautete
Holloways Credo. Der Entwurf einer Abschlusserklärung mit dem
Untermotto: "Eine andere Globalisierung ist möglich" wurde dann aber
auch stellenweise zu einem Attac-Plagiat, wie einige Kongressteilnehmer
kritisierten. Um Attac wurde auch auf einer Podiumsdiskussion
gestritten, deren Titel "Zwischen Straßenöffentlichkeit und
Netzguerilla" eigentlich andere Fragestellungen vorsah..

Natürlich durfte auch der Israel-Palästina Konflikt nicht fehlen. Doch
anders, als nach den Erfahrungen der letzten Wochen befürchtet werden
musste, verlief die Diskussion in einer sachlichen Atmosphäre. Der
Grund lag vielleicht auch darin, dass statt deutsche Befindlichkeiten
die reale Situation vor Ort im Mittelpunkt einer
Diskussionsveranstaltung unter dem Motto: "Wege aus der
Sackgasse....... Der Nahost-Konflikt und die Solidaritätsbewegung"
standen. Das Podium war mit dem exilirakischen Sabah Alnasseri, der
palästinensischen Feministin und Kommunistin [5]Aida Touma Souliman und
dem israelischen Historiker [6]Moshe Zuckermann hochkarätig besetzt.

BUKO-Sprecher Jo Hierlmeyer zog am Ende eine positive Bilanz des
Politevents und wollte sogar eine Aufbruchsstimmung erkannt haben. Auf
jeden Fall zeigte der Kongress in der Mainmetropole, dass die Suche
nach Alternativen zu herrschenden Weltordnung nicht vorbei ist.

Links

[1] http://www.buko.info
[2] http://attac.org/indexfla.htm
[3] http://www.geocities.com/CollegePark/Theater/4569/holloway.htm
[4] http://www.buko.info/buko25/buko25-zeitung.pdf
[5] http://www.buko.info/aktuell/aida-interview.html
[6] http://www.uni-weimar.de/campus99/c99-html/Alltag/E3zucker.html

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