jungen Welt vom 23.12.2002Symposium ueber Isolationshaft
Kongress in Holland zum Kampf gegen "Weisse Folter". Solidaritaet mit Gefangenenkampf in der Tuerkei
Peter Nowak, Noordwijk

Wuerde man die Jahre der Gefangenschaft der Menschen zusammenzaehlen, die sich am Wochenende in einem Tagungshaus in der hollaendischen Kleinstadt Noordwijk trafen, kaeme man auf mehr als zweihundert Jahre Knast. Dort sass der ehemalige politische Haeftling aus Peru neben einem Basken, der mehr als ein Jahrzehnt in Isolationshaft verbrachte. Auch Angehoerige von politischen Gefangenen und Juristen aus vielen Laendern haben sich nach Noordwijk begeben. Aus Deutschland nahm unter anderem Wolfgang Lettow vom Angehoerigeninfo an dem Treffen teil. Monat fuer Monat berichtet das in Hamburg erscheinende Heft ueber Gefangenschaft und Repression in Deutschland.

Alle Symposiumsteilnehmer einte das Ziel, gegen die Isolation der politischen Gefangenen weltweit zu agieren. Isolationshaft wird auch "Weisse Folter" genannt, weil sie keine blutigen Wunden hinterlaesst, aber die Psyche der Haeftlinge zerstoert. Deshalb wurde die Isolation von Gefangenen schon in den 70er Jahren von UNO-Gremien als eine Form der Folter bezeichnet. Trotzdem wird sie in aller Welt angewandt.

Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Einfuehrung der Isolationshaft in der Tuerkei. Seit mehr als zwei Jahren wehren sich politische Haeftlinge dort mit einem Hungerstreik gegen ihre Verlegung in Isolationszellen. Waehrend des Treffens in Noordwijk wurde bekannt, dass der mittlerweile laengste Hungerstreik weltweit am Sonnabend sein 103. Todesopfer gefordert hat. Schon am 20. Dezember 2000 hofften die tuerkischen Machthaber, den Hungerstreik ein fuer alle Mal beendet zu haben. Schwerbewaffnetes Militaer hatte damals 20 Gefaengnisse gestuermt. 28 Gefangene waren bei dem Armeeeinsatz ums Leben gekommen.

Das von tuerkischen Menschenrechtsgruppen organisierte Symposium sollte an diesen Tag erinnern. Ueber die Resonanz aus den verschiedenen Laendern waren die Veranstalter erfreut. Der 20. Dezember soll als weltweiter Kampftag gegen Isolationshaft an das Sterben in den tuerkischen Gefaengnissen erinnern. An diesem Tag soll kuenftig weltweit vor tuerkischen Konsulaten und Botschaften demonstriert werden. Auch ueber die Notwendigkeit einer internationalen Plattform gegen Isolationshaft war man sich einig.

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