jungen Welt vom 22.05.2002Absage an jede Art von Rassismus
In Suhl will am Sonntag ein breites Bündnis gegen rechte Gewalt demonstrieren
Peter Nowak

Ein breites Bündnis will am Sonntag in Suhl gegen rechte Gewalt demonstrieren. Antifaschisten unterschiedlichster Herkunft haben sich im thüringischen Suhl zusammengefunden und rufen gemeinsam zu einer Demonstration auf, zu der auch über Thüringen hinaus mobilisiert wird. Anlaß für den Protest sind zunehmende rechtsextreme Übergriffe in der Region. So wurde im Oktober letzten Jahres ein Vietnamese brutal überfallen. Auch neofaschistische Gruppierungen machen immer häufiger von sich reden. Sie nennen sich »Jungsturm«, »Kameradschaft Rennsteig« oder »Nationales und soziales Aktionsbündnis«.

Der Anstoß zur Demonstration kam von Flüchtlingsgruppen. Entstanden ist ein erstaunlich breites Bündnis, dem vom Linken Nachwuchs Südthüringen über den Suhler SPD-Stadtrat Ralf Pieterwas bis zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Iris Gleicke, verschiedenste Gruppen und Personen angehören. Die katholische Jugend Suhl und der Stadtjugendrat unterstützen die Demonstration ebenso wie der Oberhofer Skispringer Stephan Hocke.

In dem Bündnisaufruf wird ein tolerantes, weltoffenes Suhl beschworen und dem Rassismus eine Absage erteilt. Allerdings soll auch der staatliche Rassismus nicht ausgespart werden. So soll unter anderem die Residenzpflicht thematisiert werden, die nicht anerkannten Flüchtlingen verbietet, ihren Aufenthaltsort zu verlassen. Gerade in Thüringen wurden in den letzten Monaten mehrfach Mitglieder der Flüchtlingsorganisation »The Voice« wegen Verletzung der Residenzpflicht verurteilt.

»Wir haben durch die breite Unterstützerliste die politische Verankerung der Demonstration gewährleistet, ohne deshalb die politischen Inhalte zu verwässern«, erklärte Martin Somborn von der Demovorbereitungsgruppe gegenüber jW. Dadurch soll auch eine Kriminalisierung der Demonstration verhindert werden. Schließlich wurden 1997 und 1998 im nahen Saalfeld antifaschistische Kundgebung verboten. Während Antifaschisten in Gefangenensammelstellen transportiert wurden, marschierten Neonazis grölend durch die Stadt. Ganz störungsfrei wird indes auch die Demonstration in Suhl nicht verlaufen. So will die Polizei die angemeldete Route kürzen. Die Anmelder haben erklärt, eine solche Entscheidung nicht akzeptieren zu wollen.

* Die Demonstration beginnt am Sonntag, dem 26. Mai, um 12 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz Suhl

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