jungen Welt vom 22.10.2002Volle Stadt gegen Neonazis
Nationalisten wollen am Sonnabend im roten Suhl demonstrieren. Drei Gegenkundgebungen angemeldet
Peter Nowak

Am 26. Oktober planen Neonazis des sogenannten Nationalen und Sozialen Aktionsbuendnisses Westthueringen (NSAW) in Suhl eine Demonstration unter dem Motto: "Dem Antifa-Terror entgegentreten - Fuer eine gleichberechtigte, nationale Jugendkultur!" In dem Aufruf der Neonazis heisst es: "Wir fordern das Verbot aller Antifa-Gruppen in Thueringen! Oeffentliche Aechtung linker Gewalt durch die Staedte Suhl und Zella-Mehlis!" Besonders gegen das Buendnis Autonomer Thueringer Antifa-Gruppen richtet sich der Aufruf der Neonazis. Ausserdem beklagen die Nationalisten, dass in Suhl und Umgebung "junge nationale Deutsche" bedroht wuerden. Besonders der Raum Suhl/Zella-Mehlis sei "ein Hort des roten Poebels geworden". Die Nationalisten fordern "eine gleichberechtigte Jugendkultur". Das heisst, sie wollen auch in der Region um Suhl und Zella-Mehlis sogenannte nationalbefreite Zonen schaffen, wo sich dann "kein Linker mehr auf die Strasse wagt", interpretiert ein Suhler Antifaschist das Vorhaben der Rechten.

Der Aufmarsch am Sonnabend ist mittlerweile vom Ordnungsamt Suhl genehmigt worden und soll um 13 Uhr auf dem Platz der Einheit beginnen. Doch laengst regt sich Widerstand. Schon drei Gegenkundgebungen verschiedener antifaschistischer Gruppen sind mittlerweile fuer denselben Tag angemeldet worden. Diese Demonstrationen sollen allerdings bereits um zwoelf Uhr beginnen. Ziel: Die Suhler Innenstadt soll durch die Aufzuege so voller Menschen sein, dass fuer die Neonazis kein Durchkommen ist.

Unter dem Motto "Widerstand leisten" haben zahlreiche linke Gruppen der Region bekundet, den Neonaziaufmarsch verhindern zu wollen. "Wir rufen alle Menschen dazu auf, vereinten und entschlossenen Widerstand gegen den braunen Mob und seine Unterstuetzer zu leisten", bekunden unter anderen der Verband Junger Antifas Zella-Mehlis, die Rote Hilfe Suedthueringen, die DKP Suhl sowie zahlreiche Jugend- und Kulturinitiativen der Region. Die Initiative verweist darauf, dass die Republikaner 1994 in Suhl eine Demonstration durch die "Rote Stadt" angemeldet hatten. Sie scheiterten klaeglich. "Das war der bisher letzte Versuch rechter Gruppen, in der Region Fuss zu fassen. Schon aus diesem Grund muss mit starker Gegenwehr gegen die Demonstration der Nationalisten gerechnet werden", erklaerte ein Antifa-Sprecher gegenueber junge Welt. In der Lokalzeitung Freies Wort erklaerte die Suhler Polizeisprecherin Ursula Gabriel, dass man auf die Demonstrationen vorbereitet sei.

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