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ND 22.06.02Muss die Uni stiften gehen? Benjamin Hoff, Wissenschaftspolitischer Sprecher der PDS im Berliner Abgeordnetenhaus
ND: Die Freie Universität soll in eine Stiftungsuniversität umgewandelt werden. Wer steht hinter dem Vorschlag? Die Idee, öffentlich-rechtliche Hochschulen in Stiftungsuniversitäten umzuwandeln, ist nicht neu. Bereits in den 60er Jahren hat es vereinzelte Studien gegeben, die mit Blick auf das Hochschulsystem in den USA entsprechende Überlegungen angestellt haben. Andererseits wurde bereits damals auch die Idee einer Hochschule als Genossenschaft in die Diskussion geworfen. Die aktuelle Debatte geht zurück auf ein Gutachten des Berliner Rechtswissenschaftlers Battis, der für die Universität Düsseldorf die rechtliche Zulässigkeit einer solchen Umwandlung prüfte. Nachdem er zur Erkenntnis kam, dass dies rechtlich möglich ist, hat die Berliner CDU im Sommer 2000 diesen Vorschlag übernommen. Im Kern geht es darum, aus dem öffentlichen Dienst- und Tarifrecht auszubrechen. Nur soll dies über den Umweg »Stiftungsuniversität« eleganter kommuniziert werden.
ND: Würde das nicht den endgültigen Durchmarsch des Neoliberalismus im Bildungssektor bedeuten? Ich plädiere dafür, diesen Vorschlag gar nicht so hoch anzusiedeln. Wenn man sich die dafür notwendigen Voraussetzungen anschaut, stellt man leicht fest, dass hier viel Lärm um nichts gemacht wird. Die deutsche Wirtschaft hat in die Wissenschaft im Bundesgebiet 1997 nur ca. 100 Millionen Euro investiert. Eine Stiftungsuniversität benötigte ein Stammkapital von 5 Milliarden Euro. Die Deckungslücke ist erheblich.
ND: Welche Positionen nehmen Sie als PDS-Bildungspolitiker dazu ein? Wenn die Befürworter der Stiftungsuniversität damit argumentieren, dass die Hochschulen zu wenig Finanzfreiheit haben und das öffentliche Dienstrecht so unpraktikabel ist, dann kann man darauf nur drei Dinge antworten. Erstens: Die rot-rote Koalition will einen bundesweiten Wissenschaftstarifvertrag statt des Bundesangestelltentarifs. Zweitens: Die Hochschulen sollten die Möglichkeiten, die sie haben, besser nutzen. So könnten um die Hochschule zweckgebundene Stiftungen gebildet werden, die das Finanzvolumen erweitern. Es sollten auch mehr Spenden usw. für das hochschuleigene Körperschaftsvermögen eingeworben werden, auf das der Staat keinen Einfluss hat. Drittens: Studiengebühren wird es mit uns nicht geben.
ND: Wie realistisch ist die tatsächliche Umsetzung dieser Pläne? Ich habe ja bereits gesagt, dass dieses Modell schon an der Wirtschaft scheitern wird. Die daraufhin von der CDU präsentierte Überlegung, dass der Staat mit einem auf 20 Jahre festgelegten Zuschuss das Stiftungskapital aufbauen soll, widerspricht der gesamten Privatisierungsidee. Nicht zuletzt lehnt die Koalition dieses Modell ab. Das Modell hat also keine Chance.
Interview: Peter Nowak |