jungen Welt vom 13.02.2002Spanischer Punkmusiker in Haft
Verhaftung des KOP-Sängers Juan Rodriguez Fernández hat zu internationalen Protesten geführt
Peter Nowak

Zunächst sah es wie eine Routineangelegenheit aus. Am 17. Januar stürmte schwerbewaffnete holländische Polizei ein ehemals besetztes Haus in Amsterdam und nahm einen Mann fest. Gegen Juan Rodriguez Fernández lag ein internationaler Haftbefehl vor. Die spanischen Behörden werfen ihm Unterstützung der baskischen ETA vor. Soweit scheint es eine fast alltägliche Angelegenheit zu sein. Schließlich ist die Zahl der wegen vermeintlicher ETA-Mitgliedschaft oder -Unterstützung Inhaftierten in der letzten Zeit immer größer geworden. Doch während die Namen der meisten kaum jemand kennt, ist der 38jährige Fernández schon nach wenigen Wochen zu einem international bekannten politischen Gefangenen geworden. Proteste gegen seine Festnahme gab es nicht nur in Europa. Auch in Lateinamerika demonstrierten Menschen vor spanischen Botschaften für seine Freilassung. Selbst am Rande der Hochzeitsfeierlichkeiten des holländischen Thronfolgers wurden Solidaritätsrufe für Fernández laut.

Fernández ist bei Spaniens Jugend kein Unbekannter. Schließlich war er nicht nur jahrelang in der Hausbesetzerbewegung von Barcelona aktiv, sondern auch Sänger der populären linken Punkband KOP, einer Art Ton-Steine-Scherben der iberischen Halbinsel. Bei Hausbesetzungen oder Demonstrationen waren die schrillen Töne der Band immer wieder zu hören. Doch seit letztem Sommer war es damit vorbei. Fernández hatte Spanien verlassen, um einer Verhaftung zu entgehen. Damals waren in einer großangelegten Polizeiaktion zehn angebliche ETA-Unterstützer verhaftet worden.

Die spanische Polizei wirft dem KOP-Sänger vor, dem ETA-Kommando von Barcelona Informationen über Mitglieder faschistischen Organisation CEDADE gegeben zu haben. Bei der Gruppe handelt es sich um die wichtigste spanische Neonazivereinigung mit Kontakten nach ganz Europa.

Spanische Menschenrechtler fordern die Freilassung von Fernández. Es könne nicht ausgeschlossen werden, daß die belastenden Aussagen unter Folter erpreßt wurden. Schließlich stammen die Beschuldigungen von Gefangenen, die ebenfalls der ETA-Unterstützung angeklagt sind.

[Index] [Nowak] [Thematisch] [vor1999] [Chronologisch99] [Chronologisch 2000] [Chronologisch 2001] [Chronologisch 2002]