jungen Welt vom 22.07.2002Karawane zum SIS-Bunker
Antirassistischer Konvoi nach Strasbourg mit Bewegungsschwierigkeiten
Peter Nowak

Rund 80 Menschen, darunter viele Fluechtlinge, haben sich am Freitag in einem Konvoi auf den Weg von Jena nach Strasbourg gemacht. Dort begann am Freitagabend das erste europaweite antirassistische Grenzcamp in den Rhein-Auen direkt unter der Europabruecke zwischen Kehl und Strasbourg. Mit dem Konvoi endete das antirassistische Grenzcamp in Jena.

Der Konvoi begann mit Hindernissen. Am Rande von Jena stoppte Polizei die Busse und wollte von allen Teilnehmern die Personalien kontrollieren. Es gehe um eine verdachtsunabhaengige Kontrolle, so die Begruendung. Waehrend einige Beamte in Sichtweise der Businsassen ihr Pfefferspray auspackten, einigte man sich schliesslich darauf, nur einige Personen zu kontrollieren.

Zwischenstopp wurde am Nachmittag am Rhein-Main-Airport gemacht. Gemeinsam mit regionalen Antirassismusgruppen wurde die Schliessung des Abschiebezentrums im Flughafen gefordert. Erst vergangene Woche verlangten Fluechtlingsorganisationen wie Pro Asyl die Schliessung dieser Abteilung. Es war bekannt geworden, dass ein 1995 vom Frankfurter Flughafen abgeschobener Inder noch heute in der Todeszelle sitzt. "Nationalstaatliche Loesungen gegen Abschiebung und Rassismus wird es nicht mehr geben. Genauso wie die Politiker muessen wir uns auch international organisieren", meinte ein Grenzcamp-Aktivist. Diesem Ziel soll das Grenzcamp in Strasbourg dienen. Bis zum Samstag hatten sich dort ueber tausend Camper aus zahlreichen europaeischen Laendern eingefunden. In der franzoesischen Stadt befindet sich die Koordinierungszentrale des Schengen-Informationssystems, auch kurz SIS-Bunker genannt. In supranationalen Fahndungsdateien werden dort illegalisierte und ausgewiesene Migranten gespeichert, deren Wiedereinreise so verhindert werden soll.

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