jungen Welt vom 18.09.2002Protest gegen Globalisierung und Krieg
Mobilisierung gegen Salzburger Wirtschaftsforum. EU-Erweiterung im Mittelpunkt des Treffens
Peter Nowak, Salzburg

Zum siebten Mal tagt derzeit in Salzburg das Europatreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF). Schon seit Monaten hatten linke Globalisierungskritiker gegen das WEF mobilisiert. Doch unter den mehr als 5000 Menschen, die am Sonntag nachmittag die abgesperrte Salzburger Innenstadt umrundeten, waren nur wenige deutsche Teilnehmer. Dabei war mit dem Aufschwung der globalisierungskritischen Bewegung auch hierzulande das WEF immer mehr in die Kritik geraten.

Im vergangenen Jahr war erstmals das WEF-Sommertreffen in Salzburg Ziel der Proteste. Damals waren etwa 3000 Demonstranten auf der Strasse, die von der Polizei teilweise stundenlang eingekesselt wurden. In diesem Jahr gab es solche Bilder nicht. Die Teilnehmer des Marsches vom Sonntag protestierten gegen die kapitalistischen Globalisierung und gegen den drohenden Irak-Krieg. Auf zahlreichen Transparenten sowie in den Redebeitraegen auf der Abschlusskundgebung wurde entschiedener Widerstand gegen einen Irak-Feldzug formuliert.

Das Europatreffen des WEF, an dem rund 600 Vertreter aus Politik und Wirtschaft der 15 EU-Staaten und der Beitrittskandidaten teilnehmen, befasst sich in diesem Jahr mit der Erweiterung der EU, den Wettbewerbsverhaeltnissen zwischen EU und Beitrittslaendern und der schwachen Konjunktur in Europa. Die Europaeische Union liege in fast allen Bereichen hinter den USA zurueck, sagte der Volkswirt des Forums, Peter Cornelius, mit Blick auf eine Befragung von 900 Entscheidungstraegern aus der Wirtschaft. Beim EU-Gipfel in Lissabon im Maerz 2000 hatte sich die Europaeische Union das Ziel gesetzt, bis 2010 der weltweit "wettbewerbsfaehigste und dynamischste Wirtschaftsraum" zu werden und die USA dabei hinter sich zu lassen.

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