jungen Welt vom 21.06.2002Tod eines Reformprojekts
An der Freien Universität Berlin wurden Projekttutorien zu Grabe getragen
Peter Nowak

Lange waren die Projekttutorien (PT) an der Freien Universität Berlin schon totgesagt worden. Daher war es keine Überraschung, als jetzt im Juni durch einen Beschluß des Akademischen Senats das faktische Aus kam. Nach zweimaliger Beratung beschloß das höchste Gremium der Universität, das Tutorenprogramm nicht mehr fortzusetzen und die dafür bisher verwendeten finanziellen Mittel für andere Zwecke im Bereich der Studienreform zu verwenden.

Dem konservativen Teil der Akademiker paßten die Projekttutorien nie. Schließlich ist die Verankerung selbstorganisierter Lernformen während eines großen Studentenstreiks im Wintersemester 1988/89 erkämpft worden. Der kurzlebige rot-grüne Senat unter Walter Momper hat das erste Tutorienprogramm im Winter 1989 dann institutionalisiert.

In den vergangenen Jahren war das Programm immer weiter zusammengestrichen worden. So wurde im letzten Semester die Koordinierungsstelle für die Projekttutorien aufgelöst. Besonders enttäuschend findet der Hochschulreferent des FU-AstA, Manfred Suchan, daß der Antrag, der das Ende besiegelt, von dem Erziehungswissenschaftler Gerd Hoff kam, der dem linksliberalen Dienstagskreis angehört. »Die Mehrheit der Studenten hat kein Interesse mehr an Lernformen, für die es keinen Schein gibt«, begründete der langjährige Befürworter der Tutorien seine Entscheidung. Es sei ihm auch darum gegangen, die Gelder für andere Studienreformprojekte zu erhalten, versicherte Hoff.

Daß selbstbestimmtes Lernen auch unter den Kommilitonen zur Zeit keinen hohen Stellenwert besitzt und die Projektanträge in den letzten Jahren stark abgenommen haben, bestätigte auch Manfred Suchan. Ein kleiner Kreis von Kommilitonen hielt das Programm am Laufen und hatte gerade in mehrmonatiger Arbeit ein neues Konzept für die Projekttutorien erarbeitet. Das Engagement war wohl vergebens. Doch in der Univerwaltung gibt es noch immer Stimmen, die das Ende der Tutorien bedauern. Zu ihnen zählt der Leiter der Studienabteilung Traugott Klose, der das Projekt von Beginn an begleitete. »Die Universität verliert damit ein besonderes Projekt des selbstbestimmten Lernens, daß mittlerweile zahlreiche bekannte Journalisten, Theaterleute und Akademiker durchlaufen haben«. Die studentische Vertreterin in der Projekttutorenkommission, Annette Mörler, sieht die Zukunft für eigenständiges wissenschaftlichen Engagement an der FU nicht gerade rosig: »Die Initiative dazu kann nur von den Studenten kommen, so wie es bei der Entstehung der Projekttutorien der Fall war«.

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