Wie antideutsche Sektierer einen linken Kongress kaperten

von Peter Nowak, freier Journalist

Offener Brief an die Veranstalter des Kongress "elfter September - Die
Anschläge, Ursachen und Folgen (Redaktion Jungle World, iz3W, Memri) Ende der
Aufklärung

Liebe Freunde von GenossInnen von Jungle World, iz3W und Memri. Der von Euch
am Wochenende veranstaltete Kongress sollte nach der auch im Internet
veröffentlichten Ankündigung ein Podium für kontroverse Diskussionen über den
Jahrestag der Anschläge in die USA und die Folgen bieten. Da auf den Seiten von
iz3W und Jungle World die solche Debatten geführt werden (ob zu eingegrenzt
kann hier nicht Gegenstand sein) und die Auswahl der Referenten und (wie immer)
zu wenigen Referentinnen auch die Gewähr für Diskussionen bot, konnte mensch
sich eigentlich auf ein spannendes Wochenende freuten. Doch dazu sollte es
nicht kommen, weil antideutsche Sekten den Kongress schlicht kaperten. Sie
bekämpften am Wochenende jeden kritischen Gedanken, wie sonst in ihren
Publikationen mit Vorliebe alles, was nicht auf ihrer Linie ist, wozu sie auch iz3W und
Jungle World zählen.
Jede/r von Euch kennt diese Auseinandersetzungen. An vorderster Front
betätigte sich der Bahamas-Papst Justus Wertmüller, der in seiner langen
politischen Karriere (Juso, Demokratische Sozialisten, Grüne, KB) eine Schneise der
Verwüstung hinterlassen hat. Als ob es sich um eine Veranstaltung seiner
ex-antideutschen, mittlerweile prorassistischen Politsekte handelte, maßte er sich
sogar an, zu entscheiden, wer sich auf einer öffentlichen Diskussion für
Beiträge und Fragen zu Wort melden darf. Ihn sekundierte ein Teil des Publikums,
überwiegend Jungantideutsche, die die Texte ihrer Gurus mit genau der gleichen
Inbrunst herunterbeten, wie weiland die K-Gruppen die Blauen Bände des
Histomat [= historischer Materialismus. Peter Nowak meint hiermit die
Gesamtausgabe der Werke Marx und Engels, Anmerkung Frank Gräfe].
Sie schufen auf dem Kongress eine Atmosphäre der Political Correctness und
der Denunziation, wie sie wirklich nur die K-Gruppen in den 70er Jahren
erzeugen konnten. Einige Beispiele gefällig: Der Jungle World US-Experte Michael
Hahn erwähnte in seinem Beitrag, dass eine jüdische Organisation in den USA,
die die aktuellen Entwicklung des Antisemitismus untersucht, Jörg Haider zugute
hält, dass er kein so schlimmer Antisemit sei, weil er
Entschädigungszahlungen für NS-Verfolgte zugestimmt habe. Sofort schellten bei einen
Jungantideutschen die Alarmglocken. Was er denn da gesagt habe, ob er das noch mal
wiederholen könne, schrill[t]e es bebender Stimme aus den vorderen Reihen. Der
israelische Autor Yoram Kaniuk wiederum, der ins Anekdotenerzählen abschweifte,
wurde von einem Zuhörer darauf aufmerksam gemacht, dass er seine Redezeit
überzogen habe. Sofort rannte ein antideutscher Jüngling nach vorne, um sich bei
Kaniuk für diesen Beitrag zu entschuldigen und unter Applaus zu postulieren,
dass der Israeli so lange reden könne, wie er wolle. Der Moderator beugte sich
schließlich nach einigen schüchternen Einwänden diesen irrationalen
Publikumsanwandlungen.
Es blieb Podiumsteilnehmer Günther Jacob bei der Abschlussdiskussion
vorbehalten, zu konstatieren, dass diese Geste Kaniuk signalisierte, dass man ihn
als Diskussionspartner eigentlich gar nicht ernst nahm. Schon am Samstagabend
fragte der Verfasser nach einen Beleg, für Kaniuks Behauptung, die USA habe
gegen die "Tyrannen wie Hitler, Franco und Stalin gekämpft". Er kritisierte die
Gleichsetzung von Hitler und Stalin und erkundigte sich nach den neuen
historischen Forschungsergebnissen, die Hobbyhistoriker Kaniuk in Bezug auf Franco
vorliegen müssen. Der bisherige Forschungsstand lautete nämlich, dass außer
Frankreich und mit eigenen politischen Hintergründen die Sowjetunion kein
Land das republikanische Spanien im Bürgerkrieg unterstützte [Das ist historisch
falsch, Peter Nowak unterschlägt hier zum einen die Rolle Mexikos, als auch
die unterschiedlichen Formen von Unterstützung oder nicht-Unterstützung, die
damals praktiziert wurden. Anmerkung Frank Gräfe]. Nach unterkühlten
Beziehungen in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, waren die Kontakte zwischen
dem Franco-Regime und den USA während des Kalten Kriegs exzellent und blieben
es, sehr zur Enttäuschung der Franco-GegnerInnen, bis zum Tod des Caudillo.
Eigentlich erstaunlich, dass das überwiegend akademische Publikum, das nicht
wußte. Oder war es ihnen um Analysen und Erkenntnisse gegangen, sondern nur
um die Bestätigung ihrer eigenen Positionen? Sie wollten von Kaniuk hören,
dass der Irak Israel bedrohe und es deshalb keine Alternative zu einem Krieg
gegen Saddam Hussein gebe. Wer Zweifel äußert, ist Antisemit und Defätist. Dass
mußte der Verfasser am nächsten Tag bei der Abschlussdiskussion selbst
erleben, als er sich zu Wort meldete und positiv auf Günther Jacobs Redebeitrag
bezog. Justus Wertmüller forderte Redeverbot für den Chronisten mit der
Begründung, dass "er für eine antisemitische Zeitung" [schreibe] (die junge Welt, die
er nicht explizit erwähnte) und "bekennender Antizionist" sei. Letzteres ist
falsch, weil ich für ein binationales Israel-Palästina eintrete und
entsprechende Initiativen wie die Organisation Taayush (die in der aktuellen Jungle
World auf zwei Seiten vorgestellt wird), KriegsdienstverweigererInnen und
linke AktivistInnen vor Ort unterstützte und deshalb den von Medico initiierten
Aufruf "In paradoxer Hoffnung" unterzeichnet habe.
Über die Kategorien Zionismus - Antizionismus habe ich mich übrigens nie
geäußert, (was übrigens auch beispielsweise Taayush nicht macht). Ohne genauere
Hintergründe signalisierte ein Teil der jungantideutschen Claquere Zustimmung
zum Antrag ihres Gurus Wertmüller und der Moderator gab nach. Das war das
Ende eines rationalen von Aufklärung und Analyse bestimmten Debatte und
signalisiert eigentlich auch das Scheitern des Kongress, wie er von den
Organisatoren geplant war. Antideutsche Politsekten ist es gelungen, den Kongress zu
kapern. Die Jungle World, die schon im Titel das ungerade, wild wuchernde
symbolisiert, mußte erleben, wie die Feinde der Aufklärung und des offenen Wortes
triumphierten. Daran haben die VeranstalterInnen wenig Verantwortung. Die
ModeratorInnen waren darauf nicht vorbereitet. Doch das weitgehende Schweigen auch
der im Publikum vertretenen MitveranstalterInnen wirft Fragen auf. Warum hat
nicht z.B. Günther Jacob, Christian Stock etc. Justus Wertmüller ! und Co.
nicht ebenfalls deutlich gemacht, dass sie hier nur ZuhörerInnen wie alle
anderen sind, die sich zu Wort melden könne, aber nicht [zu] bestimmen haben, wer
sich außer ihnen zu Wort meldet? Diese Frage sollten sich die
VeranstalterInnen stellen, denn es ist anzunehmen, dass die antideutschen Sektierer nach
ihren Erfolg am Wochenende auch in Zukunft auf linken Veranstaltungen ähnlich
agieren werden. Damit wird nur praktisch umgesetzt, was in der Bahamas schon
seit Jahren geschrieben steht, dass die Linke in Deutschland zerstört werden
soll. Mit den antideutschen Kindergarten im Schlepptau, hofft die
Wertmüller-Sekte, dieses Ziel umzusetzen.
Bei allen politischen Meinungsverschiedenheiten, die zwischen den
KongressveranstalterInnen und dem Verfasser bestehen, müßte es ein gemeinsames Ziel
geben: alles zu tun um es diesen Politsekten in Zukunft nicht so leicht zu
machen und zu verhindern, dass auf linken Diskussionsverantstaltungen ein Klima
des Dogmatismus entsteht, der an die K-Gruppen Zeit der 70er Jahre erinnert.
Wir sollten alles dafür tun, dass wieder der Geist der kontroversen Debatte
(des Jungles), der aufklärerischen Gedanken auf den Kongressen herrscht und die
Feinde jedes freien Gedankens (in diesem Fall Bahamas etc.) nicht zum Zuge
kommen.

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