jungen Welt vom 06.03.2002Rechte Freiheitskämpfer
Köln: Neonazidemo gegen Verfassungsschutz. »Märkischer Heimatschutz« marschiert in Schwedt
Emanuel Nahrstedt/Peter Nowak

Nach wie vor plant die »Bürgerbewegung Pro Köln« um den Neofaschisten Manfred Rouhs für den 9. März einen Aufmarsch in Köln-Chorweiler (jW berichtete am 25. Februar). Unter dem Motto »Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit« wollen die braunen Mannen vor die Zentrale des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) ziehen. Neben Pro Köln hat auch das »Aktionsbüro Norddeutschland« von Christian Worch und das »Nationale Infotelefon Rheinland« der »Kameradschaft Düsseldorf« zu der Aktion aufgerufen. Die Kölner Antifa mobilisiert weiterhin zu einer Gegendemonstration. Man will die Rechten ab 14.30 Uhr an ihrem Versammlungsort, dem Pariser Platz, empfangen und ihren Aufmarsch verhindern.

Ebenfalls am kommenden Samstag will im brandenburgischen Schwedt die »Interessengemeinschaft für die Wiedervereiniung« Gesamtdeutschland (IWG) gemeinsam mit der regionalen Neonaziorganisation »Märkischer Heimatschutz« unter dem Motto »Recht auf Heimat« marschieren. Damit setzt die IWG ihre allmonatlichen Aufmärsche in der Nähe zur polnischen Grenze fort. Die hatten sich in der letzten Zeit indes mehr und mehr zu Lachnummern entwickelt, die selbst in der rechten Szene nicht mehr ernst genommen wurden. Die lediglich 46 Neonazis, die dem IWG-Aufruf in Guben am 9. Februar gefolgt waren, waren mit zahlenmäßig weit überlegenen, von Antifa und PDS veranstalteten Gegenaktivitäten konfrontiert. Und dies war nicht die erste Blamage der IWG, die sich guter Kontakte sowohl zu Vertriebenenverbänden als auch zur NPD-Führungsebene und zu militanten Neonazis im In- und Ausland rühmt. Der IWG-Vorsitzende Georg Paletta wollte sich im Herbst 2000 über einen gerichtlichen Bescheid hinwegsetzen, der dem Kameraden Christian Worch ein Redeverbot bei einer IWG-Demonstration in Kassel erteilte. Daraufhin wurde die Demonstration ganz verboten.

Trotz der zahlreichen Pannen bei der IWG in der letzten Zeit fürchten Antifaschisten in Schwedt wegen der starken rechten Szene der Stadt eine große Beteiligung an dem Aufmarsch und wollen dem revanchistischen Zug entgegentreten.

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