ND vom 30.11.02Lechts und rinks kann man leicht velwechsern
NPD-Aktivist im AStA der Uni Trier sorgt für Unruhe

Von Peter Nowak

Lechts und rinks kann man nicht velwechsern werch ein illtum«, bekannte
einst der österreichische Lyriker Ernst Jandl. Dieses Gefühl müssen auch die
Mitglieder des von Reformlinken besetzten Allgemeinen Studentenausschusses (AStA)
der Trierer Universität haben. Denn seit kurzem wissen sie, dass in ihrer
Mitte monatelang ein bekannter NPD-Aktivist mitgearbeitet hat. Der Jurastudent
Safet Babic war ein sehr emsiger Mitstreiter im Kampf gegen Neoliberalismus
und Studiengebühren. Zusammen mit Studenten trotzkistischer Splittergruppen
gründete er im Mai 2002 die Aktionsgruppe »Bildung ist keine Ware«, verfasste
Flugblätter, redigierte eine AStA-Erstsemesterinfo und trat auch als Redner
vor Studierenden auf.
Damals war der gebürtige Bosnier unter Reformlinken wohl gelitten. Die
Trierer Jusohochschulgruppe warb um ihn und auch vom örtlichen PDS-Funktionär sei
er wegen seiner bissigen Stellungnahmen gelobt worden. Das jedenfalls
behauptet der Nationaldemokratische Hochschulbund (NHB) in einer dreiseitigen
Presseinformation stolz, nachdem Spiegel Online und Frankfurter Rundschau den
politischen Hintergrund von Babic öffentlich gemacht haben.
Der AStA der Uni Trier war über die politische Biografie ihres Mitarbeiters
überrascht. Um sich über die wahre Identität Babics zu informieren, hätte es
allerdings keines großen detektivischen Talents bedurft. Es hätte gereicht,
den Namen Safet Babic in eine beliebige Internet-Suchmaschine einzugeben.
Recht schnell wäre man auf mehrere von ihm geschriebene Artikel in dem NPD-Blatt
»Deutsche Stimme« und auf seine Referate über den Befreiungsnationalismus bei
der Deutschen Akademie gestoßen. Auf einer NPD-Demonstration hielt Babic als
»Bosnischer Befreiungsnationalist« eine Rede.
Der NHB behauptet nun, dass sich Babic nicht als U-Boot in den linken AStA
eingeschlichen, sondern immer deutlich gemacht hat, dass er sich als
Linksnationalist versteht. Seine linken Mitstreiter von ehedem sehen das natürlich
ganz anders. Der Öffentlichkeitsreferent des Trierer AStA Kai Osterholthoff
schrieb in einer Presseerklärung, dass Babic die nationalistischen Hintergründe
seiner Globalisierungs- und EU-Kritik ausgeklammert habe. Sascha Wälz von der
Sozialistischen Alternative Trier beschuldigt Babic, gezielt linke Strukturen
ausspioniert zu haben. Außerdem beteuern Mitglieder des Trierer AStA, dass
sich die Arbeit von Babic auf die Ankündigung von Veranstaltungsterminen
beschränkt habe und er keinerlei Einfluss auf inhaltliche Arbeit nehmen konnte.
Doch ausgerechnet der NHB bemerkt süffisant: »Die Ereignisse im Fall Babic
zeigen einmal mehr, dass die Auseinandersetzung mit den Themen Globalisierung und
Imperialismus im vermeintlich »sozialistischen« Spektrum, in diesem Falle
konkret Jusos und PDS, nur sehr oberflächlich stattfindet.
In der Tat ist es nicht das erste Mal, dass Rechte sich an Protesten von
Globalisierungskritikern beteiligen. Erst vor einer Woche marschierte bei einer
von Attac angemeldeten Demonstration gegen den drohenden Krieg in Irak eine
Gruppe von Neonazis mit. Auch die Mitarbeit von Rechten in linken ASten ist
nicht neu. Ende der 80er Jahre wurde bekannt, dass der schon damals bekannte
Neonazi Steffen Hupka im Umweltbereich des AStA der Detmolder Fachhochschule
mitarbeitete. Babic will sein politisches Engagement an der Trierer Universität
nicht aufgeben. Mit der angestrebten Kandidatur auf der Liste der
Jusohochschulgruppe wird es zwar jetzt nichts mehr. Doch der umtriebige Multifunktionär
hat prompt die »Freiheitliche Soziale Liste« gegründet, mit der er bei den
Wahlen Anfang Dezember einen Sitz im Studentenparlament erringen will. Bei der
geringen Wahlbeteiligung bei Stupa-Wahlen ist er nicht chancenlos. Die
Publicity um seine Person könnte Babic sogar noch Stimmengewinne bringen.

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