jungen Welt vom 05.04.2002Mumia-Solidaritätstreffen in Hamburg                                                                    Unterstützungsbewegung besser vernetzen?
Victor Grossman ist aktiv in der deutschen Solidaritätsbewegung für den afroamerikanischen Journalisten und Todeskandidaten Mumia Abu-Jamal, die sich am Wochenende in Hamburg trifft. jW sprach mit ihm
Interview: Peter Nowak

F: Die Mumia-Solidaritätsbewegung soll vernetzt werden. Wer trifft sich am Wochenende in Hamburg?

Solidaritätsgruppen aus dem ganzen Bundesgebiet. Es geht um den Kampf für Mumia Abu-Jamals Leben und Freiheit, den wir für einen symbolträchtigen Teil des Kampfes gegen Rassismus, Justizwillkür und die Einschränkung von Meinungsfreiheit halten. Jeder Interessierte ist eingeladen, auch wenn er bisher noch nicht aktiv war.

F: Wer trägt die Mumia-Solidaritätsbewegung in Deutschland?

Der Bewegung ist es gelungen, besonders junge Leute anzusprechen. Die Schülerinitiativen für Mumia erstellen Internetseiten, geben eine kleine Zeitschrift heraus und haben in der Vergangenheit viele gut besuchte Demonstrationen in Hamburg organisiert. Daher wird ein Workshop die Arbeit unter Schülern, Studenten und Jugendlichen zum Thema haben.

F: Wie reagiert die Solidaritätsbewegung auf die mögliche Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliche Haft?

Der Beschluß des US-Bundesrichters Yohn, der im Dezember quasi das Todesurteil ausgesetzt hat, ist ein Teilerfolg. Er ist eine Reaktion auf die Mumia-Solidaritätsbewegung, die in fast jedem Kampf der letzten Jahren sichtbar war, von den Demonstrationen gegen den Republikanischen Parteikonvent in den USA bis zu den weltweiten Antiglobalisierungsprotesten. Vermutlich hat Yohn die Bewegung abstumpfen und schwächen wollen. Er spekuliert darauf, daß sich diejenigen abspalten, die nur gegen die drohende Hinrichtung von Mumia vorgehen. Dabei ist die Todesstrafe gar nicht vom Tisch. Die Staatsanwaltschaft will eine Revision der Entscheidung, und ein neuer Gerichtsbeschluß könnte sie wieder einsetzen. Doch selbst wenn der Beschluß Bestand hat, Yohns angebotene »Alternative«, lebenslängliche Haft, ist nicht akzeptabel. Immer neue Beweise, auch das Geständnis eines mutmaßlichen Täters, zeigen, daß Mumia unschuldig ist. Wir verlangen eine echte Untersuchung, die volle Wahrheit und die Freilassung.

F: Welche neuen politischen Impulse erhoffen Sie sich vom Hamburger Treffen?

Für den Sonnabend sind sechs Workshops vorgesehen. Dort sollen Perspektiven für die Mumia-Solidarität erarbeitet werden, die am Sonntag vom Gesamtplenum diskutiert und beschlossen werden sollen. In der Vorplanung sind eine große Unterschriftenaktion, ein neues zentrales Plakat und bundesweite Demonstrationen. Die Vernetzung mit Solidaritätsgruppen in anderen Ländern steht ebenfalls auf der Tagesordnung.

* Anmeldung: Fax: 040/43189038, E-Mail: mumiavernetzung@yahoo.de

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