jungen Welt vom 07.06.2002Dresdner Jugendzentrum gerettet                                                                                                        Wie kritisch darf Jugendarbeit sein?
jW sprach mit Maria Ulrich vom Hausverein Conni e.V. im gleichnamigen Dresdner Jugendzentrum
Interview: Peter Nowak

F: Monatelang drohte dem Dresdner Jugendzentrum Conni e.V. wegen mißliebiger politischer Betätigung die Schließung. Die konnte jetzt mit einem neuen Vertrag abgewendet werden. Warum sollte der Geldhahn zugedreht werden?

Im Conni findet politische Jugendarbeit statt. Neben Partys, Konzerten, Diskussionsrunden und Lesungen beherbergt es diverse politische Gruppen und einen Buchladen.

Um Geld für Jugendarbeit zu bekommen, muß man »dem Grundgesetz förderliche Arbeit« leisten. Es gibt Leute, die bezweifeln, daß wir das tun. Der »Verfassungsschutz« beobachtet uns schon seit mehreren Monaten und bat sogar einen Besucher um Mitarbeit. Man hielt uns vor, daß wir Demonstrationen vorbereitet, Infoveranstaltungen zu Prag und Genua organisiert und Unterschriftensammlungen gegen die rassistische Residenzpflicht unterstützt haben. Leider schloß sich die Verwaltung in Gestalt des Jugendamtes dem an. Ein Widerrufsverfahren bezüglich der Förderung 2001 wurde eingeleitet, was zunächst auch die Gelder für 2002 blockierte.

F: Welche Auswirkungen hatte das auf Ihre Arbeit?

Erstens würde eine Rückforderung den wirtschaftlichen Ruin des Trägervereins bedeuten. Dem Jugendamt war klar, daß es nie Geld von uns sehen würde. Wir hätten also Insolvenz beantragen müssen. Zweitens hätte uns auch die freie Trägerschaft aberkannt werden können, womit wir das Haus verloren hätten. Da es mittlerweile zu einer Einigung mit dem Jugendamt kam, stehen diese Probleme für die nächsten Monate nicht zur Debatte. Trotzdem gab es die reale Auswirkung, daß die hier angestellten Leute ein halbes Jahr lang nicht wußten, ob sie ihre Stelle behalten würden, und zudem kein Geld vom Jugendamt erhielten. Die ganze Situation war sehr angespannt. Wir waren das letze halbe Jahr ausschließlich damit beschäftigt, das Haus zu erhalten. Nun müssen wir zunächst überlegen, wie wir uns in Zukunft vor derartigen Angriffen schützen können, ansonsten lautet unser Motto »Wir werden noch tanzen, wenn an euch schon keiner mehr denkt!«

F: Wie haben Sie auf die Maßnahmen reagiert?

Am Anfang waren wir lieb und haben mit dem Jugendamt verhandelt. Doch man wurde immer unverschämter und wollte einen Vertrag mit uns aushandeln, in dem wir unsere Schuld eingestehen sollten. Spätestens zu dem Zeitpunkt war uns klar, daß man es nicht gut mit uns meint. Also gingen wir an die Öffentlichkeit, was mehr Wirkung zeigte.

F: Gibt es auch Unterstützung für das Conni?

Wir haben sehr viele Spenden und Unterstützungsangebote von anderen Gruppen, Vereinen und Privatpersonen erhalten. Außerdem hat der Ortsbeirat der Dresdner Neustadt beschlossen, sich für eine langfristige Sicherung des Conni einzusetzen.

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