F R vom 13.1201Was hat ein Flüchtling nachts draußen zu suchen?
Örtliche Initiativen gegen Rechtsextremismus berichten über ihre Arbeit /
Insgesamt erfolgreiche Bilanz
Von Peter Nowak (Berlin)

Rechte Gewalt in Deutschland ist zwar aus den Schlagzeilen, nicht aber aus
der Realität verschwunden. Initiativen gegen Rechtsextremismus können zwar
einige Erfolge aufweisen, müssen aber weiterhin gegen beträchtliche Vorurteile
kämpfen.

Auf welche Schwierigkeiten die Gruppen stoßen können, die versuchen, gegen
Rechtsextremismus vorzugehen, berichtete Dominik John von "Opferperspektive".
Der Verein betreut Opfer rechter Gewalt und muss sich schon mal mit der
Äußerung eines Bürgermeisters einer Kleinstadt in Brandenburg auseinander setzen,
der nach einem Überfall von Neonazis auf einen Flüchtling erklärte, dass das
Opfer eine Mitschuld trage, wenn es sich nachts auf der Straße statt im
Flüchtlingsheim aufgehalten habe.

Von solchen Fällen abgesehen zogen die Mitarbeiter von Mobilen
Beratungsteams gegen Rechtsextremismus (Mobit) auf einer zweitägigen Konferenz zum Thema
"Praxis und Perspektive zivilgesellschaftlicher Arbeit gegen
Rechtsextremismus" eine positive Bilanz. "Aus Initiativen, die noch vor wenigen Jahren als
Nestbeschmutzer galten, wurden Partner von Stadtverwaltungen und Kommunen. Das
setzt ein Umdenken auch auf der politischen Ebene voraus", meinte Thomas
Heppener von der AG "Netzwerke gegen Rechtsextremismus". So hat die Initiative
"Pro-Zivilcourage Aue" wesentlichen Anteil daran, dass in der sächsischen
Kleinstadt ein Netzwerk gegen Neonazis entstanden ist. Beate Klose vom "Zentrum für
Demokratische Kultur" beschrieb, wie durch gezielte Unterstützung von
Projekten im Berliner Stadtbezirk Treptow-Köpenick der Unterwanderung von
Jugendeinrichtungen durch geschulte Neonazi-Kader Einhalt geboten wurde. Die ersten
dieser Mobits entstanden 1998 und 1999 mit Landesmitteln in Brandenburg und
Sachsen-Anhalt. Im Herbst 2001 wurden mit Mitteln des Bundesprogramms "Civitas"
auch in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen Mobits
gegründet. Dabei geht es darum, zivilgesellschaftliche Politikansätze und eine
alternative Kultur vor Ort zu etablieren.

Erfolge gebe es nur, wenn es gelinge, die Menschen vor Ort einzubeziehen,
betonte neben den Mobit-Mitarbeitern auch Sven-Olaf Obst vom
Bundesfamilienministerium. Nicht die Errichtung von "zivilgesellschaftlichen Leuchttürmen",
sondern die regionale Verankerung werde über den langfristigen Erfolg der Arbeit
entscheiden. Die Initiativen sind überzeugt, dass ihre Arbeit noch an
Bedeutung gewinnen wird. Dem Zentrum Demokratischer Kultur zufolge wurden in
Deutschland dieses Jahr vier Menschen von Neonazis getötet. Allein in
Ostdeutschland gab es 50 Neonaziaufmärsche.

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