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Telepolis vom 19.9.02Sieg ohne Freude
Peter Nowak
Schweizer Justiz erhebt keine Anklage gegen Indymedia Schweiz wegen Antisemitismus
Es war ein Erfolg für [1]Indymedia Schweiz. Die Schweizer Justiz stellte ein Klage gegen das unabhängige, linke Internetmedium ein. Doch wirkliche Freude wollte nicht aufkommen. Schließlich waren zwei Indymedia-Verantwortliche vom Sprecher der antifaschistischen Schweizer Initiative [2]Aktion Kinder des Holocaust wegen Verletzung des Schweizer Antirassismusgesetzes angezeigt worden ( [3]Vorübergehend geschlossen).
Die antifaschistische Initiative wollte so erstmals mit den Mitteln des Strafgesetzes gegen Texte und Stellungnahmen zum Nahostkonflikt vorgehen, die ihrer [4]Meinung nach die Grenze zum Antisemitismus und zur Relativierung der Shoah überschritten hatten.
Die Züricher Bezirksanwaltschaft sah in den die israelische Besatzungspolitik kritisierenden Indymedia-Beiträgen allerdings keine Verunglimpfung der jüdischen Bevölkerung. In den auf Indymedia-Schweiz veröffentlichten Karikaturen, die die israelische Besatzungspolitik gegenüber den Palästinensern mit der NS-Politik verglichen, konnte die Justiz keine Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust sehen.
Die Klägerseite [5]kritisierte, dass in der Einstellungsverfügung nun selbst wiederum antisemitische Begründungsmuster verwendet würden. So wird der in der Einstellungsverfügung verwendete Terminus vom "jüdischen Volk", das offenbar "ein politisches" Verhalten gegenüber Palästinensern zeigt, als antisemitisches Stereotyp klassifiziert. Diese Sichtweise der AkdH wird auch von einem Teil der linken Presse [6]unterstützt. Verhaltene Töne dagegen bei Indymedia-Schweiz: [7]Verfahren eingestellt, Scherbenhaufen bleibt heißt es dort.
Der Grund für die gedrückte Stimmung liegt auch in der Debattierunlust, die sich trotz des Schocks, den eine Anzeige ausgerechnet wegen Verletzung des Antirassismusgesetzes ausgelöst hat, nicht geändert hat. So heißt es in der Indymedia-Erklärung: "Elementare gemeinsame Diskussionen, wie die über kollektive Entscheidungsfindungsprozesse, das Konzept im Generellen, die Kommunikationsform untereinander ... und eine differenzierte Haltung zu Zensurmassnahmen und Machtmissbrauch wurden nicht geführt."
Viel zu schnell hat man sich auf die "bösen Antideutschen eingeschossen, die angeblich ein emanzipatorisches Projekt in den Ruin treiben. Doch allen Beteiligten ist klar, dass auch nach der Verfahrenseinstellung die politische Debatte weitergehen wird. Auch deswegen, weil mittlerweile gegen einige Beiträge von [8]Indymedia Österreich ähnliche [9]Vorwürfe erhoben werden.
Links
[1] http://www.indymedia.ch [2] http://www.akdh.ch/archiv.html [3] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/11963/1.html [4] http://www.akdh.ch/indymedia.htm [5] http://www.akdh.ch/verf.htm [6] http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_2002/37/14a.htm [7] http://www.indymedia.ch/mix/2002/08/987.shtml [8] http://www.indymedia.at [9] http://at.indymedia.org/front.php3?article_id=14112 |