TAZ vom 18.10-02Schluss im Osten
Keine Zukunft für die "Indigene Botschaft" bei Erkner. Eigentümerin SEB will
das Areal schleunigst verkaufen
Trotz der am Montag geplatzten Versteigerung ihres Grundstücks sehen die
AktivistInnen des Ökologischen Kulturzentrums Kesselberg keine Chance, ihr
Projekt einer "Indigenen Botschaft" fortzuführen. Das bei Erkner am östlichen Rand
Berlins gelegene 45-Hektar-Areal wird zurzeit noch von der Bank für
Gemeinwirtschaft (jetzt SEB) verwaltet. Die SEB will das Gelände verkaufen und
verlangt die sofortige Räumung.

Nach der Wende hatte das Ökologische Kulturzentrum auf ABM-Basis ein
ökologisches Modellprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Funkzentrale
errichtet. Als die öffentliche Förderung Ende der 90er auslief, verwirklichten
einige in der Lateinamerika-Solidarität aktive BerlinerInnen hier ihre Idee einer
"indigenen Botschaft".

"Indigene sind heutzutage auf der ganzen Welt Opfer von Unterdrückung,
Verfolgung, Verschwinden und Mord. Es gibt kaum Orte, wo sie ihre Kultur
manifestieren und ihre Rechte verteidigen können", so Kesselberg-Aktivist Christian
Schmalbach. Das Waldstück sollte für mehr als zwei Jahre ein solcher Ort sein.
Festivals und Seminare wechselten einander ab. VertreterInnen der Ureinwohner
aus Mexiko, Venezuela, Brasilien und Kolumbien diskutierten auf dem
Kesselberg über die Ursachen und mögliche Lösungen ihrer Probleme. Die ungerechte
Weltwirtschaftsordnung wurde ebenso debattiert wie der von den USA unterstützte
umstrittene Plan Colombia. Zu den Lateinamerika-Festivals kamen im Sommer bis
zu 1.000 Menschen auf den Kesselberg.

Spätestens in zwei Monaten soll nun ein zweiter Versteigerungstermin mit
erheblich geringerem Einstiegsgebot stattfinden. Ein Hauptinteressent plant
angeblich die Errichtung eines Schulungszentrums für ein Pharmaunternehmen.

PETER NOWAK

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